Studie: EFT bei Heißhunger – reichen 4 Wochen Klopfakupressur?

Du öffnest den Schrank, obwohl Du längst satt bist – und greifst trotzdem zur Schokolade.

Es ist nicht unbedingt Hunger, der Dich antreibt. Manchmal reicht ein anstrengender Tag, manchmal schon der Anblick der Süßigkeiten. Der Vorsatz, diesmal zu widerstehen, ist schnell vergessen.

Aber was wäre, wenn man gegen dieses Verlangen gar nicht ankämpfen müsste?

Genau an diesem Punkt setzt eine Untersuchung der australischen Psychologin Peta Stapleton und ihrer Kollegin Hannah Chatwin an. Sie wollten herausfinden, ob ein kurzes EFT-Programm beim Umgang mit Heißhunger ähnlich gute Ergebnisse erzielt wie ein doppelt so langes.

Die Schokolade durfte bleiben

Die Wissenschaftlerinnen verglichen Daten aus zwei früheren klinischen Untersuchungen mit insgesamt 143 übergewichtigen Erwachsenen. Alle kannten starkes Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln.

4-Wochen-Programm8-Wochen-Programm
Teilnehmer9647
EFT pro Woche2 Stunden2 Stunden
Gesamtzeit8 Stunden16 Stunden

In beiden Programmen arbeiteten kleine Gruppen mit derselben qualifizierten EFT-Anwenderin und einem unterstützenden Psychologen.

Das Bemerkenswerte: Die Teilnehmer sollten den verführerischen Lebensmitteln nicht ausweichen. Sie wählten beispielsweise Schokolade, süße oder salzige Snacks und beschäftigten sich während des Klopfens ganz bewusst mit ihrem Verlangen.

Weder Ernährungspläne noch Sportempfehlungen gehörten zu den Programmen. Im Mittelpunkt stand die emotionale Reaktion auf das Essen.

Was sich zuerst veränderte

Nach beiden Programmen berichteten die Teilnehmer von deutlich weniger Essverlangen. Die Unterschiede gegenüber dem Beginn waren statistisch signifikant.

Noch interessanter wurde es bei den Nachuntersuchungen: Auch 12 Monate später war das gemessene Verlangen in beiden Gruppen signifikant geringer als vor dem Training.

Ein Unterschied zeigte sich nach 6 Monaten. Beim 8-wöchigen Programm war die Verbesserung zu diesem Zeitpunkt ebenfalls statistisch nachweisbar, beim 4-wöchigen nicht.

Doch die Forscherinnen betrachteten noch etwas anderes: Wie stark beeinflussen uns Lebensmittel, die einfach nur in Reichweite sind? Dafür verwendeten sie die sogenannte Power of Food Scale. Sie erfasst beispielsweise, wie verlockend Essen erscheint, selbst wenn gar kein körperlicher Hunger besteht.

In beiden Gruppen nahm diese Anziehungskraft signifikant ab – und die Veränderungen waren auch nach 6 und 12 Monaten noch nachweisbar.

Das ist vielleicht der spannendste Befund der Untersuchung: Es ging nicht nur darum, einem Impuls standzuhalten. Die Lebensmittel selbst schienen einen Teil ihrer psychologischen Zugkraft verloren zu haben.

Und was geschah mit dem Gewicht?

Hier gab es eine Überraschung. Die Autorinnen berichteten nach 12 Monaten von einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von rund 8 Kilogramm im 4-wöchigen und 5 Kilogramm im 8-wöchigen Programm.

Allerdings waren die einzelnen Vergleiche der Gewichtswerte mit dem Ausgangswert statistisch nicht eindeutig. Die deutlichsten Ergebnisse der Untersuchung betreffen deshalb das Essverlangen und die Anziehungskraft von Lebensmitteln.

Mehr Behandlungsstunden bedeuteten also nicht automatisch mehr Gewichtsverlust.

Warum 8 Wochen trotzdem interessant sind

Beim längeren Programm zeigte sich nach 12 Monaten zusätzlich eine signifikante Verbesserung auf einer Skala, die dauerndes Diäthalten und Gewichtsschwankungen erfasst. Für das kürzere Programm war dies in den Einzelvergleichen nicht nachweisbar.

Auch die Zufriedenheit war bemerkenswert: 91 Prozent der Teilnehmer des vierwöchigen und 93 Prozent des achtwöchigen Programms fanden, EFT habe ihre Anliegen sehr gut aufgegriffen.

Insgesamt fanden die Wissenschaftlerinnen keinen statistisch gesicherten Unterschied zwischen den beiden Programmdauern. Allerdings verglichen sie nachträglich zwei getrennte Studien; ein direkter randomisierter Vergleich der 4 und 8 Wochen steht noch aus.

Was diese Studie zeigt

Für die EFT-Praxis ist das eine ermutigende Beobachtung: Schon ein überschaubares Gruppenprogramm ging mit Veränderungen einher, die teilweise ein Jahr später noch erkennbar waren. Eine längere Begleitung könnte wiederum bei tiefer verwurzelten Essgewohnheiten sinnvoll sein.

Mich beschäftigt dabei besonders ein Gedanke: Wer vor der Schokolade steht, muss vielleicht nicht immer mehr Willenskraft aufbringen. Manchmal lohnt es sich, zuerst das Gefühl zu verändern, das die Schokolade so unwiderstehlich macht.

Und genau dort kann Klopfakupressur ansetzen.

Quelle: Stapleton, P., & Chatwin, H. (2018). Emotional Freedom Techniques for food cravings in overweight adults: A comparison of treatment length. OBM Integrative and Complementary Medicine, 3(3), Article 014.

Zur vollständigen Studie…

Weitere wissenschaftliche Studien…

Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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