
Wer kennt das nicht? Du hast Dich gut vorbereitet, weißt genau, was Du sagen möchtest, und trotzdem beginnt Dein Herz schneller zu schlagen, sobald Du vor anderen Menschen sprechen sollst. Die Hände werden feucht, der Mund trocken, und plötzlich scheint alles, was Du Dir zurechtgelegt hast, wie weggeblasen.
Für manche Menschen ist diese Aufregung nur ein vorübergehendes Lampenfieber. Für andere wird die Angst vor dem öffentlichen Sprechen zu einer ernsthaften Belastung. Sie vermeiden Vorträge, melden sich in Besprechungen nicht zu Wort oder verzichten sogar auf berufliche Möglichkeiten, weil sie fürchten, vor anderen zu versagen.
Kann EFT/Klopfakupressur dabei helfen, diese Angst zu verringern? Und wie schneidet EFT im Vergleich zu einem bereits etablierten psychologischen Verfahren ab? – Genau das untersuchten drei indonesische Wissenschaftler in einer 2018 veröffentlichten Studie. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.
Zwei unterschiedliche Wege, um Redeangst zu reduzieren
Die Forscher Ely Roy Madoni, Mungin Eddy Wibowo und Muhammad Japar wollten herausfinden, wie wirksam zwei Methoden bei ausgeprägter Redeangst sind: die systematische Desensibilisierung und die Emotional Freedom Techniques (EFT).
Die systematische Desensibilisierung ist ein Verfahren aus der Verhaltenstherapie. Dabei lernen Menschen, angstauslösenden Situationen schrittweise zu begegnen und gleichzeitig Entspannung einzusetzen. Die Verbindung zwischen einer bestimmten Situation und der gewohnten Angstreaktion soll dadurch schwächer werden.
EFT verfolgt einen anderen praktischen Ansatz. Während man sich mit einem belastenden Gefühl oder einer angstauslösenden Situation beschäftigt, werden bestimmte Akupunkturpunkte sanft mit den Fingerspitzen beklopft. Hinzu kommen Elemente der bewussten emotionalen Auseinandersetzung und der Selbstakzeptanz.
Beide Methoden beschäftigen sich also mit der emotionalen Reaktion auf eine belastende Situation. Sie gehen dabei jedoch unterschiedlich vor. Für die Forscher war besonders interessant, ob sich mit EFT vergleichbare oder möglicherweise sogar stärkere Veränderungen erzielen lassen.
So wurde die Studie durchgeführt
Aus insgesamt 100 Studenten der Universität Darul ‚Ulum in Indonesien wählten die Wissenschaftler 16 Personen aus, die besonders stark unter Redeangst litten. Diese wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen mit jeweils acht Teilnehmern verteilt.
Eine Gruppe erhielt Beratung mit systematischer Desensibilisierung, die andere Beratung mit EFT / Klopfakupressur. Beide Verfahren wurden im Rahmen von Gruppensitzungen angewendet.
Um die Veränderungen zu erfassen, verwendeten die Forscher einen wissenschaftlichen Fragebogen zur Redeangst, den Personal Report of Public Speaking Anxiety (PRPSA). Er umfasst 34 Aussagen, mit denen sich das Ausmaß der Angst vor dem öffentlichen Sprechen einschätzen lässt.
Die Redeangst wurde zu drei Zeitpunkten gemessen: vor der Intervention, danach und bei einer Nachuntersuchung vier Wochen später. So konnten die Wissenschaftler nicht nur feststellen, ob sich unmittelbar etwas verändert hatte, sondern auch, wie sich die Ergebnisse im weiteren Verlauf entwickelten.
Die Ergebnisse: Deutlich weniger Redeangst in beiden Gruppen
Die Auswertung zeigte, dass die Redeangst in beiden Gruppen deutlich zurückging. Besonders interessant war dabei die Entwicklung in der EFT-Gruppe. Die Wissenschaftler erfassten die Redeangst anhand von Punktwerten. Je höher der Wert, desto stärker die Angst.
Entwicklung der Redeangst
| Messzeitpunkt | EFT / Klopfakupressur | Systematische Desensibilisierung |
| Vor der Behandlung | 145,50 | 143,88 |
| Nach der Behandlung | 122,50 | 126,25 |
| 4 Wochen später | 100,88 | 108,00 |
| Gesamtrückgang | 30,7 % | 24,9 % |
Quelle: Madoni et al. (2018), Tabelle 1, S. 31. Angegeben sind die durchschnittlichen Redeangstwerte (PRPSA) der jeweiligen Gruppe. Niedrigere Werte bedeuten weniger Redeangst. Die Prozentwerte wurden aus den veröffentlichten Mittelwerten berechnet.
In der EFT-Gruppe sank der durchschnittliche Angstwert von 145,5 auf 122,5 Punkte. Bei der Nachuntersuchung vier Wochen später lag er sogar nur noch bei 100,88 Punkten. Das entspricht einem Rückgang um rund 31 Prozent gegenüber dem Ausgangswert.
Auch in der Gruppe mit systematischer Desensibilisierung verbesserten sich die Werte deutlich: von durchschnittlich 143,88 auf 126,25 Punkte unmittelbar nach der Intervention und schließlich auf 108 Punkte bei der Nachuntersuchung.
Damit zeigte sich in beiden Gruppen eine statistisch signifikante Verringerung der Redeangst. Die EFT-Gruppe erreichte dabei zahlenmäßig die stärkere Verbesserung.
Die statistische Auswertung ergab keinen gesicherten allgemeinen Wirksamkeitsunterschied zwischen den beiden Verfahren. Allerdings zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der angewendeten Methode und dem zeitlichen Verlauf der Angstwerte, der zugunsten von EFT ausfiel.
Besonders interessant: Die Verbesserung setzte sich fort
Ein bemerkenswertes Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Redeangst nicht nur unmittelbar nach den Gruppensitzungen geringer war. 4 Wochen später lagen die durchschnittlichen Angstwerte in beiden Gruppen nochmals deutlich niedriger. Besonders ausgeprägt war diese Entwicklung bei den Teilnehmern, die EFT erhalten hatten.
Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die Verbesserungen zwischen den einzelnen Messzeitpunkten statistisch signifikant waren.
Das ist gerade bei emotionalen Belastungen interessant. Schließlich geht es nicht nur darum, sich während einer Übung etwas ruhiger zu fühlen. Entscheidend ist auch, ob sich die emotionale Reaktion auf eine gefürchtete Situation längerfristig verändert.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung deuten darauf hin, dass die Teilnehmer auch über die unmittelbare Anwendung hinaus von den Interventionen profitierten.
Was bedeutet das für die praktische Anwendung von EFT?
Redeangst hat häufig wenig mit mangelndem Wissen oder fehlender Vorbereitung zu tun. Jemand kann sein Thema ausgezeichnet beherrschen und trotzdem starke Angst davor haben, vor anderen Menschen zu sprechen. Dabei spielen oft ganz unterschiedliche Befürchtungen eine Rolle:
- Was passiert, wenn ich den Faden verliere?
- Was denken die anderen über mich?
- Was ist, wenn ich einen Fehler mache oder mich blamiere?
- Was ist, wenn man mir meine Nervosität ansieht?
In der praktischen EFT-Arbeit können solche Gedanken und die damit verbundenen Gefühle gezielt aufgegriffen werden. Statt ausschließlich an der äußeren Situation zu arbeiten, beschäftigt man sich mit der persönlichen emotionalen Reaktion darauf.
Ein möglicher Ansatz wäre beispielsweise, sich eine bevorstehende Präsentation vorzustellen und zunächst wahrzunehmen, was dabei innerlich geschieht. Vielleicht entsteht ein Druckgefühl im Bauch. Vielleicht zeigt sich die Befürchtung, kritisiert oder ausgelacht zu werden. Oder es taucht die Erinnerung an eine frühere unangenehme Erfahrung auf. Diese einzelnen Aspekte können anschließend beim Klopfen bearbeitet werden.
Gerade darin liegt eine interessante Möglichkeit der Klopfakupressur: Nicht jede Redeangst ist gleich. Während der eine vor allem Angst vor Kritik hat, fürchtet der andere, die Kontrolle zu verlieren oder nicht gut genug zu sein. EFT ermöglicht es, solche individuellen Belastungsaspekte in die Arbeit einzubeziehen.
Die indonesische Studie liefert dazu einen interessanten wissenschaftlichen Befund: Bei den untersuchten Studenten ging die Redeangst nach der EFT-Gruppenberatung deutlich zurück.
EFT und systematische Desensibilisierung – zwei Verfahren mit guten Ergebnissen
Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass beide untersuchten Methoden geeignet waren, die Redeangst der teilnehmenden Studenten zu verringern. Aus den durchschnittlichen Messwerten und deren zeitlicher Entwicklung ergab sich jedoch ein Vorteil für EFT.
Das macht die Untersuchung auch für Coaches, Berater und Therapeuten interessant, die mit Redeangst, Auftrittsangst oder ähnlichen emotionalen Belastungen arbeiten. Die Studie umfasste allerdings nur 16 Teilnehmer. Ihre Ergebnisse sind deshalb vor allem als vielversprechender Hinweis zu verstehen, der durch größere Untersuchungen weiter überprüft werden kann.
Bemerkenswert ist, dass EFT hier nicht lediglich mit dem Zustand vor der Intervention verglichen wurde, sondern mit einer weiteren aktiven psychologischen Methode.
Fazit: Klopfakupressur als interessante Möglichkeit bei Redeangst
Die Studie zeigt, dass EFT / Klopfakupressur im Rahmen einer Gruppenberatung mit einer deutlichen Verringerung von Redeangst verbunden war. Die Verbesserungen waren statistisch signifikant und bei der Nachuntersuchung vier Wochen später sogar noch stärker ausgeprägt.
Im direkten Vergleich mit der systematischen Desensibilisierung zeigte EFT die größere durchschnittliche Verringerung der Angstwerte, auch wenn kein gesicherter allgemeiner Wirksamkeitsunterschied zwischen beiden Verfahren festgestellt wurde.
Für Menschen, die unter Lampenfieber, Präsentationsangst oder der Angst vor dem Sprechen in Gruppen leiden, ist das ein ermutigender Befund. Und vielleicht auch ein guter Anlass, EFT einmal selbst kennenzulernen. Denn wer vor anderen Menschen sprechen möchte, braucht nicht unbedingt mehr Mut oder noch bessere Vorbereitung. Manchmal lohnt es sich, zunächst die Angst selbst in den Blick zu nehmen.
Quelle: Madoni, E. R., Wibowo, M. E., & Japar, M. (2018). Group counselling with systematic desensitization and emotional freedom techniques to reduce public speaking anxiety. Jurnal Bimbingan Konseling, 7(1), 28–35.
Weitere wissenschaftliche Studien…
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Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.