Studie: Bessere Lebensqualität durch Klopfakupressur nach einem Erdrutsch

Ein schweres Unglück ist irgendwann vorbei. Der Regen hört auf, die Erde kommt zur Ruhe, die unmittelbare Gefahr ist vorüber. Für die Menschen, die es erlebt haben, bedeutet das aber noch lange nicht, dass auch innerlich wieder Ruhe eingekehrt ist.

Genau darum geht es in einer indonesischen Studie aus dem Jahr 2018. Die Forscher Zuhdan Aftrinanto, Elli Nur Hayati und Siti Urbayatun untersuchten sechs Frauen, die in der Region Purworejo einen schweren Erdrutsch erlebt hatten. Alle waren zwischen 20 und 40 Jahre alt und zeigten bei Beginn der Untersuchung eine niedrige Lebensqualität.

Die Frage der Forscher war: Kann eine Form der Klopfakupressur, die dort als Spiritual Emotional Freedom Technique – SEFT bezeichnet wird, diesen Frauen helfen, wieder mehr Lebensqualität zu erleben?

Wenn der Regen selbst zum Auslöser wird

Besonders eindrücklich sind die Beschreibungen der Frauen. Nach dem Erdrutsch war die Gefahr nicht einfach vergessen. Starker Regen und Wind erinnerten sie an das Geschehen und lösten erneut Angst aus. Einige fühlten sich auch außerhalb ihrer Häuser unsicher. Tätigkeiten, die vorher selbstverständlich gewesen waren, konnten plötzlich mit Anspannung verbunden sein.

Das kennen wir auch aus der Trauma-Arbeit: Unser Nervensystem orientiert sich nicht ausschließlich daran, ob im gegenwärtigen Moment tatsächlich Gefahr besteht. Geräusche, Bilder, Gerüche, Wetterlagen oder bestimmte Situationen können mit einer vorausgegangenen Erfahrung verknüpft sein und den Körper erneut in Alarm versetzen.

Gerade deshalb ist diese Untersuchung interessant. Denn hier wurde Klopfen nicht unter künstlichen Laborbedingungen untersucht, sondern bei Menschen, deren Alltag durch ein reales, bedrohliches Ereignis erheblich beeinträchtigt worden war.

Was ist SEFT?

SEFT steht für Spiritual Emotional Freedom Technique und ist eine in Indonesien entwickelte Variante von EFT. Sie verbindet Klopfen bestimmter Körperpunkte mit Elementen von EFT und einer ausdrücklich spirituellen Ausrichtung.

In der Untersuchung bestand die Anwendung aus den drei bekannten Grundelementen

  • Set-up,
  • Tune-in und
  • Tapping.

Beim Set-up wurde das belastende Thema benannt und mit einer spirituell geprägten Haltung verbunden. Beim Tune-in richteten die Teilnehmerinnen ihre Aufmerksamkeit auf das jeweilige körperliche oder emotionale Erleben. Anschließend wurden bestimmte Punkte am Körper beklopft.

Die Frauen lernten sowohl eine kürzere als auch eine ausführlichere Version von SEFT und sollten die Methode anschließend auch selbstständig anwenden. Die praktische Arbeit bezog sich sowohl auf körperliche Beschwerden als auch auf belastende Gefühle.

Dabei ist wichtig: SEFT ist nicht identisch mit dem EFT, die Verwandtschaft ist aber deutlich. Das Grundprinzip – belastendes Erleben fokussieren und gleichzeitig bestimmte Körperpunkte beklopfen – kennen wir unmittelbar aus der EFT Klopfakupressur.

Wie wurde untersucht?

Vor Beginn der SEFT-Anwendung erfassten die Forscher die Lebensqualität der sechs Frauen mit dem WHOQOL-BREF. Das ist ein von der Weltgesundheitsorganisation entwickelter Fragebogen, der Lebensqualität nicht nur als allgemeines Wohlbefinden betrachtet, sondern vier unterschiedliche Bereiche erfasst:

  • körperliche Gesundheit
  • psychisches Befinden
  • soziale Beziehungen
  • Lebensumfeld

Zusätzlich arbeiteten die Forscher mit Interviews, Beobachtungen, Arbeitsblättern und Evaluationsbögen. Nach der SEFT-Anwendung wurde erneut gemessen. Zwei Wochen später erfolgte eine weitere Messung.

Es wurde also nicht nur gefragt, ob jemand sich unmittelbar nach dem Klopfen besser fühlte. Die Forscher wollten wissen, ob sich etwas im umfassenderen Erleben der eigenen Lebenssituation verändert hatte.

Die Lebensqualität stieg deutlich

Die Ergebnisse waren ausgesprochen auffällig. Der durchschnittliche Gesamtwert der Lebensqualität lag vor der SEFT-Anwendung bei 52,67 Punkten. Direkt danach waren es 85,00 Punkte. Die Veränderungen zeigten sich nicht nur im Gesamtwert, sondern in sämtlichen vier untersuchten Bereichen:

BereichVor SEFTNach SEFT
Körperliche Gesundheit15,6726,17
Psychisches Befinden12,5021,50
Soziale Beziehungen9,6711,17
Lebensumfeld14,8326,17
Lebensqualität insgesamt52,6785,00

Die Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Messung waren nach der statistischen Auswertung in allen vier Bereichen und beim Gesamtwert signifikant.

Und zwei Wochen später?

Hier wird die Untersuchung noch interessanter. Zwei Wochen nach dem Training war der durchschnittliche Gesamtwert etwas zurückgegangen: von 85,00 auf 80,50 Punkte. Er lag damit aber weiterhin deutlich über dem Ausgangswert von 52,67.

Auch bei der körperlichen und psychischen Lebensqualität sowie beim Lebensumfeld lagen die Werte beim Follow-up weiterhin deutlich über den ursprünglichen Werten. Beim Bereich der sozialen Beziehungen war der Unterschied zwischen Ausgangsmessung und Follow-up statistisch nicht signifikant.

Das bedeutet: Die stärkste Veränderung zeigte sich unmittelbar nach dem SEFT-Training. Ein großer Teil der Verbesserung war jedoch auch zwei Wochen später noch messbar.

Hinter den Zahlen stehen Menschen

Fast noch interessanter als die Tabellen sind die ergänzenden qualitativen Beobachtungen der Forscher. Die Frauen berichteten, dass ihre Angst vor einem erneuten Erdrutsch nachließ. Zuvor hatten besonders starker Regen und Wind Erinnerungen an die Katastrophe ausgelöst.

Nach der SEFT-Anwendung beschrieben die Teilnehmerinnen sich als ruhiger und entspannter bei ihren täglichen Tätigkeiten. Einige Frauen, die außerhalb des Hauses arbeiten oder beispielsweise im Wald Holz sammeln mussten, hatten sich dabei vorher ängstlich gefühlt. Auch hier wurde anschließend mehr Ruhe beschrieben.

Zwei Frauen hatten zusätzlich familiäre Schwierigkeiten. Auch sie berichteten, mit diesen Situationen nach der Anwendung ruhiger umgehen zu können.

Das ist ein entscheidender Punkt: Lebensqualität besteht eben nicht nur aus einem Fragebogenwert. Sie zeigt sich darin, ob jemand wieder hinausgehen kann, ob Regen ständig Alarm auslöst, ob der Alltag leichter wird und ob schwierige Situationen wieder besser regulierbar erscheinen.

Was hat das mit EFT zu tun?

Wir versuchen beim EFT-Klopfen normalerweise nicht, eine belastende Erinnerung einfach „wegzumachen“. Wir nehmen wahr, was beim Gedanken an ein Ereignis im Moment geschieht: Angst, körperliche Anspannung, Bilder, Gedanken, Befürchtungen oder andere emotionale Reaktionen. Und genau an diesem aktuellen Erleben setzen wir an.

Das kann auch in der Selbstanwendung hilfreich sein. Du musst dafür nicht erst warten, bis ein Problem riesig geworden ist. Gerade bei klar wahrnehmbaren Belastungen – etwa einem unangenehmen Bild, einer Befürchtung oder einer körperlich spürbaren Anspannung – lässt sich mit Klopfakupressur sehr konkret arbeiten.

In Coaching, Therapie oder anderer professioneller Begleitung können dieselben Grundprinzipien differenzierter eingesetzt und an die jeweilige Situation angepasst werden.

Bei traumatischen Erfahrungen ist allerdings etwas besonders wichtig: Stabilisierung geht vor Konfrontation. Es geht nicht darum, möglichst schnell in eine überwältigende Erinnerung hineinzugehen. Gute Trauma-Arbeit achtet darauf, dass das Nervensystem genügend Sicherheit und Regulationsfähigkeit behält.

Was an dieser Studie besonders bemerkenswert ist

Bei EFT wird häufig auf einzelne Symptome geschaut: Wie stark ist meine Angst? Wie groß ist mein Stress? Wie intensiv ist eine belastende Erinnerung? Diese Untersuchung geht einen Schritt weiter. Sie fragt danach, ob Menschen nach einem existenziell bedrohlichen Erlebnis insgesamt wieder mehr Lebensqualität erfahren.

Und genau das ist schließlich das eigentliche Ziel. Nicht ein niedriger Wert auf irgendeiner Skala. Sondern wieder hinausgehen zu können. Wieder handlungsfähiger zu sein. Sich im eigenen Alltag etwas sicherer zu fühlen. Belastende Situationen besser regulieren zu können.

Die Ergebnisse dieser sechs Frauen zeigen, dass es sich lohnen kann, Klopfakupressur auch unter diesem Blickwinkel weiter zu untersuchen. Und vielleicht ist genau das auch eine gute Einladung, EFT einmal selbst auszuprobieren.

Nicht erst dann, wenn etwas kaum noch auszuhalten ist – sondern als Möglichkeit, den eigenen Umgang mit Stress, belastenden Erinnerungen und schwierigen Gefühlen besser kennenzulernen.

Quelle: Aftrinanto, Z., Hayati, E. N. N., & Urbayatun, S. (2018). Spiritual Emotional Freedom Technique (SEFT) untuk Meningkatkan Kualitas Hidup pada Wanita yang Mengalami Bencana Tanah Longsor. Jurnal Studia Insania, 6(1), 69–89.

Zur vollständigen Studie…

Weitere wissenschaftliche Studien…

Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (SEFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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