
Wie viel Energie hast Du gerade noch? Nicht die Energie, die Du gerne hättest oder die Du für Deine täglichen Aufgaben brauchst. Sondern die Kraft, die Dir tatsächlich zur Verfügung steht.
Viele Menschen merken erst, wie erschöpft sie sind, wenn kaum noch etwas geht. Sie funktionieren, erfüllen ihre Verpflichtungen, kümmern sich um andere und verschieben die eigenen Bedürfnisse immer wieder auf später. Dabei würden sie wahrscheinlich niemals auf die Idee kommen, ihr Smartphone ständig zu benutzen, ohne es zwischendurch aufzuladen. Mit unserer eigenen Energie gehen wir dagegen häufig erstaunlich sorglos um.
Die folgende Psychohygiene-Übung hilft Dir, Deinen aktuellen Energiezustand bewusster wahrzunehmen und herauszufinden, was Du brauchst, um Deine Kräfte wieder aufzufüllen. Besonders interessant ist dabei die Unterscheidung zwischen dem, was Du unbedingt tun musst, dem, was Du solltest, und dem, was Du eigentlich gerne möchtest.
Deine innere Batterie

Stell Dir vor, Du hättest in Deinem Inneren eine Batterie. Sie steht symbolisch für Deine körperliche und psychische Energie, Deine Lebensfreude, Belastbarkeit und Kraft. Manchmal ist diese Batterie gut gefüllt. Du fühlst Dich lebendig, hast Freude an Deinen Aktivitäten und kannst auch mit Schwierigkeiten umgehen, ohne gleich aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Zu anderen Zeiten verbrauchst Du mehr Energie, als Du wieder auflädst. Berufliche Anforderungen, Konflikte, Sorgen, Schlafmangel oder anhaltende Anspannung können dazu beitragen. Das geschieht häufig schleichend.
Du gewöhnst Dich daran, müde zu sein. Du gewöhnst Dich an Verspannungen, innere Unruhe oder das Gefühl, ständig etwas erledigen zu müssen. Vielleicht bemerkst Du irgendwann, dass Dinge, die Dir früher Freude gemacht haben, kaum noch Platz in Deinem Leben finden.
Und trotzdem machst Du weiter. Die Frage ist: Wie lange kann das gutgehen, wenn Du Deine Batterie immer weiter entlädst?
Schritt 1: Wie voll ist Deine Batterie gerade?
Nimm Dir einen Moment Zeit und frage Dich:
Wenn 100 % bedeuten, dass Du Dich voller Energie, Lebensfreude und Kraft fühlst, wie hoch ist Dein aktueller Batteriestand?
Vielleicht sind es 80 %, vielleicht 50 % oder auch nur 20 %.
Mein aktueller Batteriestand: ________ %
Es geht nicht darum, einen objektiv messbaren Wert zu ermitteln. Die Prozentzahl ist lediglich eine persönliche Einschätzung, die Dir hilft, Deinen momentanen Zustand bewusster wahrzunehmen. Du kannst auch unterscheiden zwischen Deiner körperlichen und Deiner psychischen Energie. Manchmal fühlt sich der Körper erschöpft an, während der Kopf noch voller Ideen steckt. Manchmal ist es genau umgekehrt. Wichtig ist zunächst nur, dass Du ehrlich zu Dir selbst bist.
Schritt 2: Was MUSS ich tun?
Stell Dir nun vor, Deine Batterie wäre praktisch leer. Du hättest Deine Belastungsgrenze erreicht und könntest nicht einfach so weitermachen wie bisher. Du musst Dir dafür keinen tatsächlichen Zusammenbruch ausmalen. Es reicht, Dich zu fragen:
Was müsste ich spätestens dann verändern, damit ich mich wieder erholen könnte?
Vielleicht fallen Dir Dinge ein wie:
- Einen Arzt aufsuchen und anhaltende Beschwerden abklären lassen.
- Eine dringend benötigte Auszeit organisieren.
- Die Arbeitsbelastung deutlich reduzieren.
- Unterstützung durch Familie, Freunde oder professionelle Helfer annehmen.
- Eine belastende Situation beenden oder verändern.
- Endlich wieder ausreichend schlafen und regelmäßige Erholungszeiten ermöglichen.
Schreibe auf, was für Dich persönlich wichtig wäre.
Was müsste ich unbedingt tun?
Jetzt kommt eine entscheidende Frage:
Warum eigentlich erst dann?
Wenn Du bereits weißt, was Du im Falle völliger Erschöpfung dringend brauchen würdest, könnte es sinnvoll sein, Dich schon heute darum zu kümmern. Natürlich bedeutet das nicht, dass Du sofort Dein ganzes Leben umkrempeln musst. Aber vielleicht gibt es etwas, das Du nicht länger aufschieben solltest.
Und falls Deine Batterie tatsächlich schon fast leer ist, solltest Du das ernst nehmen. Bei anhaltender starker Erschöpfung, deutlichen körperlichen Beschwerden oder erheblichen Einschränkungen im Alltag ist eine medizinische beziehungsweise psychotherapeutische Abklärung wichtig.
Schritt 3: Was SOLLTE ich tun?
Jetzt kommen wir zu den Dingen, von denen Du eigentlich längst weißt, dass sie Dir guttun würden. Du hast sie vielleicht schon seit Monaten oder Jahren auf Deiner inneren Liste stehen. Allerdings kosten sie Überwindung. Manchmal sind sie unbequem, erfordern Entscheidungen oder bringen Veränderungen mit sich.
Zum Beispiel:
- Regelmäßige Bewegung in Deinen Alltag integrieren.
- Wieder Kontakt zu alten Freunden aufnehmen.
- Lernen, häufiger Nein zu sagen.
- Aufgaben abgeben und Verantwortung teilen.
- Konflikte ansprechen, statt sie immer weiter mit Dir herumzutragen.
- Deine Arbeitszeiten verändern oder feste Pausen einplanen.
Das sind möglicherweise keine akuten Notwendigkeiten. Trotzdem könnten sie langfristig einen erheblichen Unterschied machen.
Was sollte ich verändern, um besser für mich zu sorgen?
Vielleicht bemerkst Du beim Aufschreiben einen inneren Widerstand.
- „Dafür habe ich keine Zeit.“
- „Das geht bei mir nicht.“
- „Erst muss ich noch …“
Solche Gedanken sind interessant. Manchmal beschreiben sie tatsächliche Hindernisse. Manchmal stecken aber auch alte Überzeugungen dahinter, beispielsweise dass Du immer für andere da sein musst oder dass Deine eigenen Bedürfnisse weniger wichtig sind. Gerade solche Überzeugungen können ein guter Ansatzpunkt für die Arbeit mit EFT/Klopfakupressur sein.
Schritt 4: Was MÖCHTE ich tun?
Jetzt kommt der Teil der Übung, den ich besonders wichtig finde. Es geht nicht mehr darum, was Du unbedingt tun musst oder vernünftigerweise tun solltest. Sondern darum, was Du gerne tun möchtest. Dinge, die Dir Freude machen. Die Dir guttun. Die Dich entspannen, begeistern oder einfach wieder ein bisschen lebendiger fühlen lassen.
Vielleicht möchtest Du:
- Wieder häufiger Musik hören oder selbst musizieren.
- Ein gutes Buch lesen.
- Einen Spaziergang machen, ohne dabei etwas erledigen zu müssen.
- Dich mit einem lieben Menschen treffen.
- Etwas Kreatives tun.
- Einfach einmal in Ruhe dasitzen und nichts müssen.
Vielleicht gibt es auch etwas, das Du früher regelmäßig gemacht hast und das irgendwann aus Deinem Leben verschwunden ist. Ein Hobby, eine Leidenschaft oder eine kleine Gewohnheit, auf die Du Dich immer gefreut hast.
Was würde ich gerne wieder häufiger tun?
Diese Dinge erscheinen uns oft weniger wichtig als unsere Verpflichtungen. Schließlich kann man den Spaziergang auch morgen machen, das Buch am Wochenende lesen oder den Freund irgendwann einmal anrufen. Nur kommt dieses „irgendwann“ häufig nicht.
Dabei sind es gerade solche angenehmen Erfahrungen, die unser Leben bereichern und zur Erholung beitragen können. Du musst Dir die Freude am Leben nicht erst verdienen, indem Du vorher sämtliche Aufgaben erledigst.
Schritt 5: Vom Nachdenken zum Handeln
Nun hast Du wahrscheinlich einige Dinge aufgeschrieben. Vielleicht sogar ziemlich viele. Die Übung soll aber nicht dazu führen, dass Du jetzt noch eine weitere lange Aufgabenliste hast, die Dich zusätzlich unter Druck setzt. Deshalb schau Dir Deine Antworten noch einmal an.
Was davon könntest Du bereits heute oder in den nächsten Tagen umsetzen?
Wähle zunächst möglichst einen kleinen, konkreten Schritt aus. Vielleicht vereinbarst Du einen längst überfälligen Termin. Vielleicht sagst Du eine zusätzliche Verpflichtung ab. Oder Du nimmst Dir heute Abend eine halbe Stunde Zeit für etwas, das Du einfach nur gerne machst.
Du kannst auch einen festen Termin dafür in Deinen Kalender eintragen. Wichtig ist, dass aus Deinen Erkenntnissen möglichst eine Handlung wird. Denn allein zu wissen, was Dir guttun würde, verändert noch nicht unbedingt etwas.
Was hat das mit EFT Klopfakupressur zu tun?
Die Psychohygiene-Übung ist zunächst eine eigenständige Methode zur Selbstreflexion. Du brauchst dafür keine besonderen Vorkenntnisse und musst auch kein EFT beherrschen. Sie lässt sich aber gut mit EFT/Klopfakupressur verbinden.
Vielleicht hast Du beim Beantworten der Fragen festgestellt, dass Du eigentlich genau weißt, was Du brauchst. Trotzdem fällt es Dir schwer, es umzusetzen.
- Du möchtest weniger arbeiten, hast aber ein schlechtes Gewissen, wenn Du früher Feierabend machst.
- Du würdest gerne öfter Nein sagen, hast aber Angst, andere Menschen zu enttäuschen.
- Oder Du möchtest Dir mehr Zeit für Dich selbst nehmen, hast aber das Gefühl, dass Du das nicht darfst, solange noch unerledigte Aufgaben auf Dich warten.
Hier kannst Du mit EFT ansetzen.
Beispiel: Das schlechte Gewissen beim Ausruhen
Angenommen, Du möchtest Dir regelmäßig Zeit zum Entspannen nehmen. Sobald Du Dich aber hinsetzt, meldet sich eine innere Stimme:
„Ich kann doch jetzt nicht einfach faulenzen!“
Achte darauf, welches Gefühl dieser Gedanke auslöst. Vielleicht ist es Schuld, Unruhe, Angst oder etwas anderes. Du könntest beispielsweise mit folgendem Einstimmungssatz arbeiten:
Handkante: „Auch wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mich einfach ausruhe, akzeptiere ich mich so, wie ich bin.“
Anschließend klopfst Du mit diesem konkreten Gefühl und beobachtest, ob und wie es sich verändert. Vielleicht taucht dabei eine Erinnerung auf: Schon als Kind hast Du gelernt, dass man immer fleißig sein muss. Oder dass Ausruhen nur erlaubt ist, wenn wirklich alles erledigt wurde.
Solche Erfahrungen können dazu beitragen, dass wir uns selbst später kaum Erholung zugestehen. Mit EFT kannst Du die damit verbundenen emotionalen Reaktionen und Überzeugungen weiter erkunden und bearbeiten.
Dabei gilt: Du musst nicht zwangsläufig nach alten Erinnerungen suchen. Gerade wenn belastende oder traumatische Erfahrungen auftauchen, ist es wichtig, innerhalb Deiner aktuellen Belastbarkeit zu bleiben. Bei stärkerer emotionaler Aktivierung kann professionelle Begleitung sinnvoll sein.
Psychohygiene als regelmäßige Gewohnheit
Du kannst diese Übung immer wieder durchführen. Vielleicht einmal im Monat oder dann, wenn Du bemerkst, dass Deine Belastung zunimmt. Frage Dich erneut, wie voll Deine Batterie gerade ist.
- Hat sich etwas verändert?
- Was hat Dir gutgetan?
- Was hat besonders viel Energie gekostet?
Mit der Zeit kannst Du möglicherweise besser erkennen, welche Situationen Dich besonders beanspruchen und welche Aktivitäten Dir helfen, Dich zu erholen.
Dabei geht es nicht darum, ständig einen Batteriestand von 100 % erreichen zu müssen.
Niemand ist immer voller Energie. Belastung, Anstrengung und Erholungsphasen gehören zum Leben. Entscheidend ist vielmehr, Deine eigenen Grenzen wahrzunehmen und möglichst rechtzeitig für einen Ausgleich zu sorgen. Und manchmal bedeutet gute Psychohygiene eben nicht, noch mehr Entspannungsübungen zu machen, sondern die Umstände zu verändern, die Dich dauerhaft überfordern.
Fazit: Warte nicht, bis Deine Batterie leer ist
Wir kümmern uns oft erst dann um unsere Bedürfnisse, wenn wir bereits deutlich erschöpft sind. Die Psychohygiene-Übung lädt Dich ein, früher hinzuschauen.
- Was brauchst Du wirklich?
- Was wäre sinnvoll zu verändern?
- Und was würde Dir einfach Freude machen?
Besonders die letzte Frage gerät im Alltag häufig in Vergessenheit. Dabei sollte unser Leben nicht ausschließlich daraus bestehen, Verpflichtungen zu erfüllen und anschließend die verbrauchte Energie irgendwie wiederherzustellen. Wir brauchen auch Dinge, für die es sich lohnt, diese Energie einzusetzen.
Deshalb meine Anregung für diese Woche: Überprüfe Deinen inneren Batteriestand und überlege, was Du schon heute tun kannst, damit er nicht immer weiter sinkt. Vielleicht ist der erste Schritt viel einfacher, als Du denkst.
Die Psychohygiene-Übung ist Teil des EFT-Klopfakupressur Modul 3, in dem Du weitere Methoden zur Stabilisierung und Ressourcenstärkung für Dich selbst und die professionelle Anwendung kennenlernst.
Hinweis: Diese Übung dient der Selbstreflexion und unterstützt einen bewussteren Umgang mit den eigenen Belastungen und Bedürfnissen. Sie ist kein diagnostisches Verfahren und ersetzt bei gesundheitlichen oder psychischen Beschwerden keine erforderliche medizinische oder psychotherapeutische Abklärung oder Behandlung.