
Wer abnehmen möchte, kennt die üblichen Empfehlungen: weniger Kalorien, ausgewogener essen, mehr Bewegung. Das ist grundsätzlich richtig – erklärt aber noch lange nicht, warum wir manchmal essen, obwohl wir eigentlich gar keinen körperlichen Hunger haben.
Stress, Frust, Einsamkeit, Ärger, Langeweile oder das Bedürfnis nach Trost können beim Essen eine erhebliche Rolle spielen. Und genau hier setzt EFT Klopfakupressur an.
Eine 2018 in der Fachzeitschrift EXPLORE veröffentlichte Studie untersuchte einen interessanten Ansatz: Die Teilnehmer bekamen keine bestimmte Diät vorgeschrieben. Stattdessen lernten sie über sechs Wochen online, EFT einzusetzen, um emotionales Essen, Heißhunger und persönliche Auslöser rund ums Essen zu bearbeiten.
Das Bemerkenswerte: Nach dem sechswöchigen Programm war das Gewicht gesunken – und bei den Teilnehmern, die nach einem Jahr noch an der Untersuchung teilnahmen, setzte sich die Gewichtsabnahme sogar weiter fort.
Nicht die nächste Diät, sondern die Gefühle hinter dem Essen
Der Ansatz der Studie unterscheidet sich deutlich von klassischen Abnehmprogrammen. Im Mittelpunkt stand nicht die Frage:
„Was darf ich essen und was nicht?“
Sondern eher:
„Was bringt mich eigentlich dazu, essen zu wollen?“
Genau diese Frage ist für EFT besonders interessant. Denn ein Stück Schokolade ist zunächst einmal nur ein Stück Schokolade. Entscheidend kann sein, was innerlich damit verbunden ist: Belohnung nach einem anstrengenden Tag, Beruhigung bei Stress, Trost nach einer Enttäuschung oder vielleicht auch eine Gewohnheit, die seit vielen Jahren mit bestimmten Situationen und Gefühlen verknüpft ist.
Die Autoren der Studie gingen deshalb davon aus, dass eine langfristige Gewichtsregulation nicht nur Ernährung und Bewegung berücksichtigen sollte, sondern auch psychologische Faktoren.
Wie lief die Studie ab?
Untersucht wurde das sechswöchige Onlineprogramm „Naturally Thin You“. 76 Teilnehmer nahmen an dem eigentlichen Programm teil. 91 Prozent waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei knapp 57 Jahren. Das durchschnittliche Ausgangsgewicht betrug rund 207 Pfund, also etwa 94 Kilogramm.
Die Teilnehmer erhielten:
- 6 wöchentliche Live-Telefonseminare,
- Zugang zu Online-Kursmaterialien,
- Zugang zu einer geschlossenen Facebook-Gruppe,
- anschließend über ein Jahr monatliche Unterstützungs-Telefonseminare.
Eine bestimmte Diät wurde ausdrücklich nicht vorgegeben. Stattdessen beschäftigten sich die Teilnehmer mit emotionalem Essen und lernten, EFT auf die emotionalen Auslöser anzuwenden, die mit Essen und Heißhunger verbunden waren.
Dabei kam unter anderem das aus EFT-Gruppen bekannte Verfahren der Borrowing Benefits zum Einsatz: Der EFT-Anwender arbeitet intensiv mit einem Teilnehmer, während die übrigen Gruppenmitglieder gleichzeitig für sich selbst mitklopfen.
Neben dem Körpergewicht untersuchten die Forscher auch psychologische Faktoren rund ums Essen.
Wie mächtig ist Essen für mich?
Besonders interessant ist die in der Studie verwendete Power of Food Scale. Sie misst nicht einfach, wie viel jemand isst. Vielmehr geht es darum, wie stark attraktive Lebensmittel psychologisch auf einen Menschen wirken. Du kennst vielleicht den Unterschied:
Du kannst an einer Bäckerei vorbeigehen, die frisch gebackenen Kuchen sehen und denken: „Sieht lecker aus.“ Oder der Kuchen beginnt Dich regelrecht zu beschäftigen. Du denkst daran, stellst Dir den Geschmack vor und spürst zunehmend das Bedürfnis, ihn jetzt auch essen zu müssen – unabhängig davon, ob Du körperlich Hunger hast. Genau diese psychologische Macht von Essen versuchten die Forscher zu erfassen.
Und hier zeigte sich nach dem sechswöchigen EFT-Programm eine statistisch signifikante Veränderung: Der Wert auf der Power of Food Scale sank deutlich. Diese Veränderung war auch beim Follow-up nach 12 Monaten noch vorhanden.
Das ist für die praktische Anwendung von EFT ausgesprochen interessant. Denn das Ziel muss nicht unbedingt sein, bestimmte Lebensmittel zu „verbieten“. Viel spannender kann es sein, wenn ein Lebensmittel seine emotionale Anziehungskraft verliert und eine freie Entscheidung wieder leichter wird.
Und was geschah mit dem Gewicht?
Auch hier waren die Ergebnisse bemerkenswert. Das durchschnittliche Gewicht lag zu Beginn bei rund 207 Pfund (94 kg). Nach dem sechswöchigen Programm waren es rund 201 Pfund (91 kg). Beim Follow-up nach zwölf Monaten lag das durchschnittliche Gewicht der noch teilnehmenden Personen bei etwa 188 Pfund (85 kg). Die statistische Auswertung ergab für die Gewichtsveränderung über die untersuchten Zeitpunkte einen hochsignifikanten Unterschied (p < .001).
Besonders interessant ist dabei nicht nur, dass während des eigentlichen Programms Gewicht verloren wurde. Die Gewichtsabnahme setzte sich bei den Teilnehmern, die am Follow-up teilnahmen, nach dem Ende des sechswöchigen Kurses weiter fort.
Die Autoren berichten für den gesamten Zeitraum eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von ungefähr zwei Pfund – also knapp einem Kilogramm – pro Monat.
Weniger Kampf mit dem Essen?
Zusätzlich verwendeten die Forscher die sogenannte Revised Restraint Scale. Sie erfasst unter anderem problematische Formen der ständigen bewussten Kontrolle des Essverhaltens und das typische Wechselspiel von Einschränkung und anschließendem Kontrollverlust. Auch hier zeigte sich während des EFT-Programms eine statistisch signifikante Veränderung.
Zusammen mit der gesunkenen „Power of Food“ ergibt sich ein interessantes Bild: Die Teilnehmer hatten nach dem Programm nicht einfach nur weniger Gewicht. Auch ihre psychologische Beziehung zum Essen hatte sich verändert.
Und genau das dürfte für viele Menschen der spannendere Punkt sein. Denn eine dauerhafte Veränderung des Essverhaltens könnte wesentlich leichter werden, wenn nicht ständig gegen Heißhunger, emotionale Essimpulse und die Anziehungskraft bestimmter Lebensmittel angekämpft werden muss.
Was ist mit Angst, Depression und anderen psychischen Belastungen?
Die Forscher untersuchten zusätzlich Angst, depressive Symptome, subjektives Glücksempfinden und Symptome einer posttraumatischen Belastung. Für Angst und PTBS-Symptome ergaben sich keine statistisch signifikanten Veränderungen. Auch die Zunahme des subjektiven Glücksempfindens erreichte keine statistische Signifikanz.
Bei den Depressionswerten berichtet die Veröffentlichung statistisch signifikante Veränderungen. Allerdings sind die Angaben hierzu innerhalb der veröffentlichten Arbeit nicht vollständig konsistent.
Für das eigentliche Thema der Untersuchung – Gewicht und psychologische Reaktionen auf Essen – sind die Ergebnisse ohnehin interessanter.
EFT online – funktioniert das überhaupt?
Auch dieser Punkt macht die Studie spannend: EFT wurde hier nicht in klassischen Einzelsitzungen oder einer Gruppe vor Ort vermittelt. Das komplette sechswöchige Programm fand online beziehungsweise über Teleklassen statt. Und offenbar spielte die Gruppe eine wichtige Rolle.
Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer beteiligten sich an der geschlossenen Facebook-Gruppe. Sie tauschten Erfahrungen aus, unterstützten und ermutigten sich gegenseitig. Nach Abschluss der sechs Wochen standen außerdem weiterhin monatliche Teleklassen zur Verfügung.
Die Autoren vermuten selbst, dass diese langfristige Begleitung wesentlich dazu beigetragen haben könnte, dass die Gewichtsabnahme nach Ende des eigentlichen Programms weiterging. Das ist ein wichtiger Punkt: Untersucht wurde also nicht einfach „6 Wochen klopfen und fertig“, sondern EFT innerhalb eines begleiteten Onlineprogramms mit anschließendem Austausch und monatlicher Unterstützung.
Was kann man aus dieser Studie mitnehmen?
Die Untersuchung war als sogenannte naturalistische Outcome-Studie angelegt. Das bedeutet: Die Forscher beobachteten die Veränderungen innerhalb einer real durchgeführten Intervention. Es gab bei dieser Untersuchung keine Kontrollgruppe, mit der die Teilnehmer verglichen wurden.
Deshalb lässt sich aus dieser Studie allein nicht ableiten, welcher Anteil der beobachteten Veränderungen ausschließlich auf EFT zurückzuführen ist. Auch Motivation, Gruppenerfahrung, Aufmerksamkeit für das eigene Essverhalten und die langfristige Begleitung können eine Rolle gespielt haben.
Gleichzeitig liegt gerade darin ein interessanter Praxisbezug: Die Untersuchung zeigt, was bei Teilnehmern eines tatsächlich durchgeführten EFT-Onlineprogramms über einen längeren Zeitraum beobachtet wurde. Von 76 Teilnehmern nach dem sechswöchigen Programm nahmen allerdings nur noch 56 am Follow-up nach 12 Monaten teil.
Vielleicht ist die entscheidende Frage eine andere
Interessant an dieser Studie deshalb weniger die Vorstellung, EFT könne einfach als weitere „Abnehmmethode“ eingesetzt werden. Spannender ist die Frage, warum wir essen, wenn unser Körper eigentlich gar keine Nahrung verlangt.
Wenn ein Mensch jeden Abend Süßigkeiten braucht, sobald der Arbeitstag stressig war, dann kann man natürlich versuchen, die Süßigkeiten wegzulassen. Man kann aber auch fragen:
- Was passiert eigentlich in diesem Moment in mir?
- Welche Anspannung ist da?
- Welches Gefühl?
- Welche Erinnerung?
- Welches Bedürfnis?
- Und was verändert sich, wenn ich genau damit klopfe?
Hier eröffnet EFT einen ganz anderen Zugang zum Thema Essen. Nicht über Verbote und Disziplin, sondern über die emotionalen Prozesse, die ein Essverlangen mit antreiben können.
Die Ergebnisse dieser Studie liefern einen interessanten Hinweis darauf, dass sich ein solcher Ansatz lohnen kann. Nicht nur kurzfristig: Bei den Teilnehmern, die nach einem Jahr noch untersucht wurden, waren die Veränderungen beim Gewicht und bei der psychologischen Wirkung von Essen weiterhin zu beobachten.
Vielleicht liegt darin eine der interessantesten Botschaften dieser Studie:
Manchmal beginnt eine nachhaltige Veränderung des Essverhaltens nicht auf dem Teller, sondern bei dem, was wir fühlen.
Quelle: Church, D., Stapleton, P., Sheppard, L., & Carter, B. (2018). Naturally Thin You: Weight Loss and Psychological Symptoms After a Six-Week Online Clinical EFT (Emotional Freedom Techniques) Course. EXPLORE, 14(2), 131–136.
Weitere wissenschaftliche Studien…
Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.