Tipp der Woche: Palast der Möglichkeiten, Teil 2

Affirmationen – und warum sie manchmal nicht funktionieren

Affirmationen sind ein einfaches und zugleich wirkungsvolles Werkzeug, um unsere Gedanken, Überzeugungen und damit auch unser Verhalten zu verändern. Doch vielleicht hast Du selbst schon die Erfahrung gemacht, dass positive Affirmationen nicht immer die gewünschte Wirkung zeigen.

Du sagst Dir beispielsweise regelmäßig: „Ich bin selbstbewusst und erfolgreich.“ Trotzdem fühlst Du Dich weiterhin unsicher, zweifelst an Deinen Fähigkeiten oder hast Angst zu versagen.

Warum ist das so?

Die Antwort finden wir häufig in unseren unbewussten Überzeugungen – den sogenannten Tailendern, wie Gary Craig sie nannte.

Was sind Tailender?

Der Begriff Tailender stammt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß „Nachsatz“ oder „Nachzügler“. Im EFT bezeichnet Gary Craig damit jene Gedanken, Gefühle oder inneren Reaktionen, die einer positiven Affirmation widersprechen. Stell Dir vor, Du sagst Dir:

„Ich bin liebenswert und verdiene es, glücklich zu sein.“

Vielleicht taucht unmittelbar darauf ein Gedanke auf:

  • „Ja, aber ich bin doch gar nicht gut genug.“
  • „Das wäre schön, aber mich liebt sowieso niemand.“
  • „Wenn die anderen mich wirklich kennen würden, sähen sie das anders.“
  • „Glück muss man sich erst verdienen.“

Diese inneren Einwände sind Tailender. Sie können so schnell und selbstverständlich auftauchen, dass wir sie kaum noch bewusst wahrnehmen. Manchmal sind sie uns sogar so vertraut, dass wir sie für unumstößliche Wahrheiten halten.

Die wirklichen Affirmationen stehen auf unseren „inneren Wänden“

Im ersten Teil unserer Reihe haben wir den Palast der Möglichkeiten kennengelernt. Seine zahlreichen Räume stehen symbolisch für die Möglichkeiten, die uns im Leben offenstehen. Auf den Wänden dieser Räume befinden sich unsere „inneren Skripte“: Überzeugungen, Glaubenssätze und Regeln, die wir im Laufe unseres Lebens übernommen oder selbst entwickelt haben.

Manche dieser Skripte unterstützen uns. Andere schränken uns ein, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wenn Du Dir nun eine neue, positive Affirmation sagst, kann es passieren, dass sie mit einem dieser alten Skripte in Konflikt gerät. Du möchtest beispielsweise glauben:

„Ich kann meine Ziele erreichen.“

Doch auf einer Deiner inneren Wände steht vielleicht seit Deiner Kindheit:

„Aus Dir wird sowieso nichts!“

Diesen Satz hast Du möglicherweise so oft gehört oder gedacht, dass er zu einer tief verankerten Überzeugung geworden ist. Und jedes Mal, wenn Du Dir Deine neue Affirmation sagst, meldet sich diese alte Überzeugung zu Wort.

Gary Craig bezeichnet solche Tailender deshalb sinngemäß als unsere wirklichen Affirmationen. Denn während wir eine neue Affirmation vielleicht einige Male am Tag bewusst wiederholen, begleiten uns die alten Überzeugungen häufig schon seit vielen Jahren. Sie beeinflussen unsere Erwartungen, unsere Entscheidungen und unser Verhalten – oftmals, ohne dass wir es bemerken.

Tailender zeigen sich nicht nur als Gedanken

Nicht jeder Tailender besteht aus einem klar formulierten Glaubenssatz. Manchmal reagieren wir auf eine positive Affirmation mit einem unangenehmen Gefühl oder einer körperlichen Empfindung, ohne zunächst zu verstehen, warum.

Tailender können sich beispielsweise zeigen als:

  • Gedanken und Glaubenssätze: „Das schaffe ich sowieso nicht.“
  • Innere Bilder: Eine Erinnerung an eine Situation, in der Du gescheitert bist oder zurückgewiesen wurdest.
  • Emotionen: Angst, Trauer, Wut, Scham oder Schuldgefühle.
  • Körperliche Empfindungen: Ein Druck auf der Brust, ein Kloß im Hals, ein flaues Gefühl im Magen oder eine plötzliche Anspannung.

Vielleicht stellst Du auch fest, dass Du einer Affirmation zwar verstandesmäßig zustimmst, sie sich innerlich aber irgendwie falsch oder unglaubwürdig anfühlt. Auch das kann ein wichtiger Hinweis sein.

Warum positives Denken allein manchmal nicht ausreicht

Positive Affirmationen können helfen, unsere Aufmerksamkeit auf neue Möglichkeiten zu richten und förderliche Überzeugungen zu entwickeln. Doch wenn eine Affirmation im deutlichen Widerspruch zu unseren bisherigen Erfahrungen oder tief verwurzelten Glaubenssätzen steht, kann sie auch inneren Widerstand hervorrufen.

Du möchtest z. B. selbstbewusster werden und sagst Dir regelmäßig:

„Ich bin selbstbewusst und kann frei vor anderen Menschen sprechen.“

Gleichzeitig erinnerst Du Dich vielleicht an eine Situation aus Deiner Schulzeit, in der Du vor der Klasse ausgelacht wurdest. Schon beim Gedanken daran spürst Du wieder die damalige Scham und Unsicherheit.

Solange diese Erinnerung emotional belastend bleibt, kann es schwierig sein, die neue Überzeugung wirklich anzunehmen. Die Affirmation ist dann nicht unbedingt falsch. Sie trifft lediglich auf etwas, das ihr innerlich entgegensteht. Und genau hier wird es interessant!

Tailender sind keine Hindernisse, sondern wertvolle Hinweise

Anstatt gegen unsere inneren Einwände anzukämpfen oder sie mit immer neuen positiven Gedanken überdecken zu wollen, können wir sie als Hinweise auf bislang ungelöste emotionale Themen betrachten. Denn hinter einem Tailender steckt möglicherweise eine frühere Erfahrung, eine übernommene Überzeugung oder eine emotionale Verletzung.

Mit EFT Klopfakupressur haben wir eine Möglichkeit, uns diesen Themen gezielt zuzuwenden. Dabei geht es nicht darum, uns einzureden, dass alles wunderbar ist. Vielmehr beschäftigen wir uns zunächst mit dem, was uns daran hindert, eine neue, hilfreichere Überzeugung anzunehmen.

Wenn die damit verbundene emotionale Belastung nachlässt, kann sich auch unsere innere Haltung verändern. Die positive Affirmation fühlt sich dann möglicherweise nicht mehr wie ein schöner, aber unrealistischer Wunsch an, sondern zunehmend wie eine glaubwürdige Möglichkeit.

Eine kleine Übung: Entdecke Deine eigenen Tailender

Du kannst selbst einmal ausprobieren, welche inneren Reaktionen eine positive Affirmation bei Dir auslöst. Wähle dazu einen Satz, den Du gerne glauben möchtest, beispielsweise:

„Ich bin gut genug, so wie ich bin.“

Sprich diesen Satz langsam und bewusst aus. Achte anschließend darauf, was in Dir geschieht.

  • Welche Gedanken tauchen spontan auf?
  • Gibt es einen inneren Widerspruch oder ein „Ja, aber …“?
  • Welche Gefühle oder körperlichen Empfindungen bemerkst Du?
  • Erinnerst Du Dich an eine Situation oder eine Person, die mit dieser Reaktion verbunden sein könnte?

Versuche zunächst nicht, etwas zu verändern. Nimm einfach wahr, was auftaucht. Vielleicht entdeckst Du dabei einen Glaubenssatz, der Dich schon lange begleitet, ohne dass Du ihn bisher bewusst hinterfragt hast.

Wichtig: Du musst nicht nach belastenden Erinnerungen suchen oder Dich in unangenehme Gefühle hineinsteigern. Wenn eine Reaktion zu intensiv wird, unterbrich die Übung und orientiere Dich wieder an Deiner gegenwärtigen Umgebung.

Schon das Erkennen eines Tailenders kann ein wertvoller erster Schritt sein.

Mit EFT neue Möglichkeiten eröffnen

Der Palast der Möglichkeiten steht uns grundsätzlich offen. Doch manche Türen scheinen verschlossen, weil unsere bisherigen Erfahrungen und Überzeugungen uns davon abhalten, sie überhaupt auszuprobieren.

Tailender helfen uns zu erkennen, welche inneren Skripte dabei möglicherweise eine Rolle spielen. Mit EFT können wir an den emotionalen Reaktionen und belastenden Erfahrungen arbeiten, die mit solchen Überzeugungen verbunden sind.

Das Ziel ist nicht, jeden negativen Gedanken durch einen positiven zu ersetzen. Es geht vielmehr darum, mehr innere Freiheit zu gewinnen, damit wir neue Möglichkeiten nicht von vornherein ausschließen. Und manchmal entdecken wir dabei, dass eine Tür, die wir jahrelang für verschlossen gehalten haben, längst offensteht.

Wie geht es weiter?

Im nächsten Teil unserer Reihe beschäftigen wir uns damit, wie Du Affirmationen und Tailender ganz praktisch in der EFT-Arbeit einsetzen kannst.

Weiter: Palast der Möglichkeiten, Teil 3: Arbeiten mit Affirmationen und Tailendern… (wird am 13.11.2026 veröffentlichet)

Zum Anfang: Palast der Möglichkeiten, Teil 1…

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