Studie: TTT – weniger Stress und mehr Lebensfreude bei jungen Menschen

Ein 16-jähriger Jugendlicher aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo hatte 10 Monate Gefangenschaft hinter sich. Er konnte kaum noch schlafen, seine Gedanken kamen nicht zur Ruhe. Als er die Trauma Tapping Technique (TTT) kennenlernte, hielt er das Klopfen zunächst für einen Scherz.

Doch dann machte er eine überraschende Erfahrung: Er konnte wieder schlafen und berichtete, dass ihm das Klopfen auch bei belastenden Gedanken half. Seine Geschichte ist eine von mehreren persönlichen Erfahrungen, die in einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2018 dokumentiert wurden.

Die Untersuchung zeigt, wie eine einfache Klopftechnik jungen Menschen helfen könnte, mit den Folgen traumatischer Erfahrungen besser umzugehen.

77 junge Menschen und 3 Wochen TTT

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo gehören Krieg, Gewalt und Vertreibung seit vielen Jahren zum Alltag. Besonders Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen. Angst, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder aggressives Verhalten sind häufige Reaktionen auf solche Erfahrungen.

Die australische Psychologin Dr. Peta Stapleton untersuchte gemeinsam mit Ulf Sandstrom und Gunilla Hamne vom Peaceful Heart Network, welche Veränderungen sich durch ein dreiwöchiges TTT-Programm beobachten lassen.

An der Untersuchung nahmen 77 junge Menschen zwischen 10 und 30 Jahren teil, die meisten waren etwa 16 Jahre alt. 48 Teilnehmer kamen aus einem Rehabilitationszentrum, das unter anderem ehemalige Kindersoldaten betreut. Weitere 29 besuchten eine Schule in derselben Konfliktregion.

Nach einer zweistündigen Einführung praktizierten die Teilnehmer drei Wochen lang täglich etwa 10 bis 20 Minuten TTT.

Was ist das Besondere an TTT?

Die Trauma Tapping Technique entstand auf der Grundlage von Thought Field Therapy (TFT) und Emotional Freedom Techniques (EFT). Wie beim EFT werden bestimmte Akupunkturpunkte sanft mit den Fingern beklopft. Atemübungen ergänzen den Ablauf.

Der wesentliche Unterschied: TTT funktioniert weitgehend ohne Worte. Belastende Erlebnisse müssen nicht ausführlich erzählt werden. Stattdessen richtet man seine Aufmerksamkeit nur vorsichtig auf ein belastendes Gefühl und beklopft anschließend bestimmte Punkte.

Dadurch lässt sich TTT auch dort vermitteln, wo Sprachbarrieren bestehen oder professionelle therapeutische Unterstützung kaum verfügbar ist. Die Methode kann in Gruppen erlernt und anschließend selbstständig angewendet werden.

Was zeigte die wissenschaftliche Untersuchung?

Die Forscher erfassten vor und nach dem dreiwöchigen Programm sowohl traumabezogene Stresssymptome als auch das allgemeine Wohlbefinden. Die Ergebnisse waren ermutigend:

  • Weniger traumabezogene Stresssymptome: Die Teilnehmer berichteten nach drei Wochen über eine statistisch signifikant geringere Belastung.
  • Mehr Lebensfreude: Auch das berichtete Wohlbefinden verbesserte sich statistisch signifikant.

Besonders interessant sind die persönlichen Berichte. Ein 15-jähriger Schüler erzählte, dass er zuvor große Angst gehabt habe, kaum schlafen und sich beim Lesen nur schwer konzentrieren konnte. Nach dem TTT-Programm beschrieb er deutliche Verbesserungen.

Ein anderer Jugendlicher berichtete, dass er wieder Freude am Leben empfand, Zukunftspläne entwickelte und leichter auf andere Menschen zugehen konnte.

Auch Lehrer und Betreuer bemerkten Veränderungen. Sie schilderten weniger Aggressionen, ein friedlicheres Miteinander und Verbesserungen im Schulalltag.

Die Erfahrungen waren so positiv, dass die Schulverantwortlichen planten, TTT dauerhaft in den Unterricht aufzunehmen.

Und 6 Monate später?

6 Monate nach dem Programm konnten noch 31 Teilnehmer erneut zu ihren traumabezogenen Beschwerden befragt werden. Ihre durchschnittliche Belastung lag weiterhin unter dem Ausgangswert vor Beginn des Programms. Der Unterschied war diesmal allerdings statistisch knapp nicht signifikant.

Die Autoren weisen darauf hin, dass es unter den schwierigen Lebensbedingungen nicht einfach war, die jungen Menschen wiederzufinden. Einige waren inzwischen in andere Regionen gezogen. Als Pilotstudie ohne Kontrollgruppe liefert die Untersuchung zunächst Hinweise auf mögliche positive Wirkungen. Die Autoren empfehlen deshalb größere, kontrollierte Studien.

Warum diese Studie besonders interessant ist

Das Bemerkenswerte an dieser Untersuchung ist für mich nicht nur die Verringerung der gemessenen Stresssymptome. Vielmehr zeigt sie, welche Möglichkeiten entstehen können, wenn Menschen eine Methode kennenlernen, mit der sie selbst etwas zu ihrer emotionalen Stabilisierung beitragen können.

TTT benötigt keine besondere Ausrüstung, ist relativ leicht zu erlernen und lässt sich auch innerhalb einer Gemeinschaft weitergeben. Gerade in Krisengebieten, in denen professionelle Hilfe oft kaum erreichbar ist, kann das von besonderem Wert sein.

Die Studie macht Mut, sich näher mit TTT und Klopfakupressur zu beschäftigen. Denn manchmal kann schon die Erfahrung, der eigenen Belastung nicht völlig hilflos ausgeliefert zu sein, ein wichtiger erster Schritt sein.

Quelle: Stapleton, P., Sandstrom, U., & Hamne, G. (2018). Evaluating a 3-week model for reducing symptoms of stress in traumatised youth using the Trauma Tapping Technique (TTT) for self-help: A pilot trial. OBM Integrative and Complementary Medicine, 3(4), Article 036.

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Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.