Wissenschaftliche Bestandsaufnahme zu EFT und verwandten Klopftechniken

Was ist dran am Klopfen?

Klopfakupressur wird von vielen Menschen als überraschend einfache Möglichkeit erlebt, innere Anspannung zu regulieren. Gleichzeitig begegnet die Methode bis heute einem erheblichen Maß an Skepsis. Kann eine Intervention, bei der belastende Gedanken aktiviert und gleichzeitig bestimmte Punkte am Körper beklopft werden, tatsächlich psychische Beschwerden beeinflussen?

Diese Frage untersuchte Antonia Pfeiffer in ihrer 2018 im Psychotherapeutenjournal veröffentlichten Übersichtsarbeit „Was ist dran am Klopfen?“. Die Autorin wertete randomisierte kontrollierte Studien und Metaanalysen zu Emotional Freedom Techniques (EFT) und Thought Field Therapy (TFT) aus. Im Mittelpunkt standen vor allem Ängste, posttraumatische Belastungssymptome und körperliche Beschwerden, die mit einem erhöhten Stressniveau verbunden sind.

Klopfen verbindet mehrere therapeutische Elemente

EFT und verwandte Klopftechniken bestehen nicht allein aus dem Beklopfen von Körperpunkten. Typischerweise werden mehrere Elemente miteinander verbunden:

Ein belastendes Thema wird bewusst aktiviert. Die damit verbundenen Gefühle, Gedanken oder körperlichen Reaktionen werden wahrgenommen. Gleichzeitig werden bestimmte Punkte an Gesicht, Oberkörper und Händen beklopft. Hinzu kommen häufig selbstakzeptierende oder kognitiv neu ausgerichtete Formulierungen.

Damit kombiniert EFT Bestandteile, die auch aus anderen psychotherapeutischen Ansätzen bekannt sind:

  • die gezielte Konfrontation mit einem belastenden Thema,
  • die Wahrnehmung körperlicher und emotionaler Reaktionen,
  • kognitive Umstrukturierung,
  • Selbstakzeptanz,
  • rhythmische sensorische Stimulation.

Der mögliche Nutzen des Klopfens muss deshalb nicht zwingend mit einem bislang nicht nachgewiesenen Meridiansystem erklärt werden. Die Übersichtsarbeit diskutiert auch psychologische und neurophysiologische Erklärungsansätze, bei denen die gleichzeitige Aktivierung einer Belastung und eines neutralen körperlichen Reizes eine wichtige Rolle spielen könnte.

Was zeigte die Forschung bei Ängsten?

Für Angststörungen und Phobien fand die Autorin mehrere kontrollierte Untersuchungen. Dazu gehörten Studien zu Kleintierphobien, Prüfungsangst, allgemeiner Angstsymptomatik und Agoraphobie.

In zwei kleinen Untersuchungen zu Kleintierphobien wurde EFT mit tiefer Zwerchfellatmung verglichen. Beide Gruppen setzten sich mit dem angstauslösenden Tier auseinander. In der EFT-Gruppe nahm die Angst jedoch stärker ab, und die Teilnehmer konnten sich dem Tier weiter annähern. In einer der Studien waren diese Veränderungen noch sechs bis neun Monate später erkennbar.

Die Teilnehmerzahlen waren allerdings mit jeweils ungefähr 20 Personen sehr klein. Diese Ergebnisse konnten daher nur als erste Hinweise gelten und nicht als abschließender Wirksamkeitsnachweis.

Eine weitere Studie untersuchte hochbegabte Schüler mit moderater bis starker Angst. Sie erhielten 3 Sitzungen EFT, 3 Sitzungen kognitive Verhaltenstherapie oder zunächst keine Behandlung. Sowohl EFT als auch Verhaltenstherapie führten gegenüber der Warteliste zu Verbesserungen. Zwischen beiden aktiven Behandlungen zeigte sich dagegen kein statistisch gesicherter Unterschied.

Auch bei Agoraphobie wurden TFT und kognitive Verhaltenstherapie miteinander verglichen. Beide Behandlungsformen verbesserten Angst und Vermeidungsverhalten gegenüber der Warteliste. Auffällig war, dass für TFT 5 Sitzungen vorgesehen waren, während die verhaltenstherapeutische Behandlung 12 Stunden umfasste. Wegen dieses unterschiedlichen Behandlungsumfangs lässt sich daraus jedoch keine einfache Überlegenheit einer Methode ableiten.

Eine Metaanalyse fand große Veränderungen bei Angstsymptomen

Besonders interessant war eine 2016 veröffentlichte Metaanalyse. Sie fasste 14 randomisierte kontrollierte EFT-Studien mit insgesamt 658 Teilnehmern zusammen.

Über alle EFT-Gruppen hinweg wurde eine große statistische Effektstärke von d = 1,23 errechnet. Nach Berücksichtigung inaktiver Kontrollbedingungen blieb der Effekt mit d = 1,13 ebenfalls groß. Deutlich zurückhaltender fiel der Vergleich mit aktiven Behandlungen aus. Hier betrug die Effektstärke d = 0,44 und war statistisch nicht signifikant. Anders gesagt: EFT schnitt klar besser ab als keine Behandlung oder eine Warteliste. Gegenüber anderen aktiven Interventionen ließ sich damals jedoch keine eindeutige Überlegenheit zeigen.

Die Übersichtsarbeit bewertet das nicht als Misserfolg. Im Gegenteil: Wenn eine vergleichsweise leicht erlernbare und auch zur Selbsthilfe geeignete Methode ähnlich gute Ergebnisse erzielt wie etablierte aktive Interventionen, kann das praktisch durchaus bedeutsam sein. Wissenschaftlich muss dennoch zwischen „wirksamer als keine Behandlung“ und „wirksamer als eine andere Behandlung“ unterschieden werden.

Die größten Effekte innerhalb der Metaanalyse fanden sich bei posttraumatischen Belastungssymptomen und spezifischen Phobien. Allerdings hatten die Teilnehmer mit posttraumatischer Belastung meist auch mehr Sitzungen erhalten.

Besonders auffällige Ergebnisse bei posttraumatischer Belastung

Den umfangreichsten Teil der Übersichtsarbeit nimmt die Forschung zu posttraumatischen Belastungsreaktionen ein. Untersucht worden waren unter anderem Kriegsveteranen, Überlebende des Genozids in Ruanda und misshandelte Jugendliche.

In einer kleinen Untersuchung wurden EFT und EMDR bei Menschen mit diagnostizierter posttraumatischer Belastungsstörung verglichen. Nach durchschnittlich vier Sitzungen gingen die Beschwerden in beiden Gruppen deutlich zurück. Direkt nach der Behandlung schnitt EMDR geringfügig besser ab, bei der Nachuntersuchung EFT. Die Unterschiede zwischen den Methoden waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Studie hatte eine wichtige Einschränkung: Etwa die Hälfte der Teilnehmer brach die Behandlung ab. Außerdem wurde eine spezielle EFT-Variante und nicht das klassische Standardprotokoll verwendet. Die Untersuchung liefert daher einen interessanten Hinweis, aber keinen Beleg für eine Gleichwertigkeit beider Verfahren.

In Ruanda erhielten Überlebende des Genozids eine einzelne TFT-Sitzung. Die Interventionen wurden von geschulten Laien unter Supervision durchgeführt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen gingen die gemessenen Traumasymptome gegenüber einer Warteliste deutlich zurück.

Gerade für Krisenregionen ist dieser Ansatz interessant: Kurze, körperorientierte Verfahren könnten dort eine Möglichkeit bieten, viele Menschen niedrigschwellig zu stabilisieren.

EFT bei Kriegsveteranen

Mehrere in der Übersicht beschriebene Studien untersuchten Kriegsveteranen mit klinischen oder subklinischen posttraumatischen Belastungssymptomen.

In der größten dieser Untersuchungen erhielten 30 Veteranen sechs EFT-Sitzungen zusätzlich zur regulären Versorgung. Eine Kontrollgruppe mit 29 Teilnehmern erhielt zunächst nur die übliche Behandlung. Nach den sechs Sitzungen lagen bei 90 Prozent der EFT-Gruppe die Werte des verwendeten Fragebogens nicht mehr oberhalb des festgelegten PTBS-Grenzwerts. In der Kontrollgruppe traf dies zunächst nur auf 4 Prozent zu.

Nach Ablauf der Wartezeit erhielt auch die Kontrollgruppe EFT. Anschließend lagen nur noch 4 Prozent aller Teilnehmer oberhalb des Grenzwerts. Bei der Nachuntersuchung nach sechs Monaten waren es wieder 20 Prozent.

Diese Ergebnisse sind eindrucksvoll: Ein Fragebogenwert unterhalb eines bestimmten Grenzwerts bedeutet, dass die erfassten Beschwerden deutlich zurückgegangen waren. EFT wurde überwiegend mit der üblichen Versorgung oder einer Wartebedingung verglichen.

Die Studien lassen deshalb erkennen, dass die zusätzliche EFT-Anwendung hilfreich gewesen sein könnte.

Nicht nur seelische, sondern auch körperliche Veränderungen

Bemerkenswert war, dass in mehreren Studien nicht nur Angst- und Belastungssymptome zurückgingen. Teilnehmer berichteten zugleich über Verbesserungen bei Schlafstörungen, chronischen Schmerzen und anderen körperlichen Beschwerden.

In einer Veteranenstudie sanken die berichteten chronischen Schmerzen um 41 Prozent und die Schlafprobleme um 45 Prozent. In einer weiteren kleinen Untersuchung gingen sowohl Schlafstörungen als auch Beschwerden nach Schädel-Hirn-Verletzungen zurück.

Solche Ergebnisse passen zu der Beobachtung, dass posttraumatischer Stress nicht nur Gedanken und Gefühle betrifft. Er kann sich auch in dauerhaft erhöhter Wachsamkeit, Schlafproblemen, Muskelanspannung, Schmerzen und vegetativer Übererregung ausdrücken.

Diesen Daten zeigen jedoch nicht, dass EFT körperliche Erkrankungen ursächlich behandelt. Denkbar ist vielmehr, dass eine Verringerung von Stress und innerer Alarmbereitschaft auch das subjektive Erleben körperlicher Beschwerden beeinflusst.

Kortisol: ein möglicher Hinweis auf Stressregulation

Eine der ausgewerteten Studien untersuchte neben psychischen Beschwerden auch das Stresshormon Kortisol. Die Teilnehmer wurden einer EFT-Sitzung, einem unterstützenden Gespräch oder einer Ruhebedingung zugeteilt.

Nach der Intervention sank der Kortisolwert in der EFT-Gruppe im Durchschnitt um rund 24 Prozent. In den beiden Vergleichsgruppen lag der Rückgang bei ungefähr 14 Prozent. Gleichzeitig berichtete die EFT-Gruppe über eine deutlich stärkere Abnahme psychischer Belastungen. Das ist ein interessanter physiologischer Hinweis.

Die Studie beweist natürlich nicht, dass das Klopfen direkt und spezifisch den Kortisolhaushalt reguliert. Kortisol schwankt im Tagesverlauf und kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden. Für belastbare Aussagen wären größere, unabhängig replizierte Untersuchungen mit eng kontrollierten Messbedingungen erforderlich.

EFT bei Spannungskopfschmerzen

In einer weiteren Studie machten Menschen mit Spannungskopfschmerzen 8 Wochen lang 2x täglich EFT. Gegenüber einer Warteliste berichteten sie anschließend über etwa 60 Prozent weniger Kopfschmerzepisoden und eine um etwa 60 Prozent verringerte Schmerzintensität.

Die Ergebnisse beziehen sich auf eine kleine Untersuchung und vor allem auf selbstberichtete Beschwerden. Sie rechtfertigen also nicht die Aussage, EFT könne Kopfschmerzerkrankungen behandeln oder medizinische Diagnostik ersetzen.

Als ergänzende Selbsthilfestrategie könnte die Methode dennoch interessant sein – insbesondere dann, wenn Stress und muskuläre Anspannung an der Entstehung oder Verstärkung der Beschwerden beteiligt sind.

Neu auftretende, außergewöhnlich starke oder anhaltende Kopfschmerzen müssen natürlich trotzdem immer medizinisch abgeklärt werden!

Wie könnte das Klopfen wirken?

Die Übersichtsarbeit stellt mehrere mögliche Erklärungen vor. Keine davon war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung abschließend bestätigt.

Exposition in einem regulierbaren Zustand

Beim EFT richtet sich die Aufmerksamkeit auf das belastende Thema. Gleichzeitig führt der Betroffene eine strukturierte, gleichförmige körperliche Handlung aus. Dadurch könnte eine besondere Form der Exposition entstehen: Die Erinnerung oder Befürchtung wird aktiviert, während zugleich eine Erfahrung von Sicherheit, Orientierung und Selbstwirksamkeit möglich bleibt.

Das Nervensystem erlebt das Thema damit möglicherweise nicht nur als Gefahr, sondern gleichzeitig in Verbindung mit einer regulierenden Handlung.

Kognitive Neubewertung und Selbstakzeptanz

EFT enthält häufig Formulierungen wie: „Auch wenn ich diese Angst spüre, akzeptiere ich mich so, wie ich bin.“ Solche Sätze können helfen, den inneren Kampf gegen die eigene Reaktion zu reduzieren. Die Belastung wird nicht geleugnet, aber in einen anderen inneren Rahmen gesetzt.

Auch dieser Bestandteil könnte zur Wirkung beitragen – unabhängig von der Frage, ob bestimmte Klopfpunkte eine spezifische Bedeutung besitzen.

Sensorische und taktile Stimulation

Berührung und rhythmische Selbststimulation können die Aufmerksamkeit verändern und möglicherweise regulierend wirken. Die Übersichtsarbeit verweist auf Grundlagenforschung zu Selbstberührung und zu bestimmten Nervenfasern der Haut, die mit emotionsverarbeitenden Hirnregionen verbunden sind.

Daraus lässt sich allerdings noch nicht ableiten, dass genau die bei EFT verwendeten Punkte eine besondere neurobiologische Wirkung haben…

Parallelen zu EMDR

Sowohl EFT als auch EMDR verbinden die Aktivierung belastender Erinnerungen mit einer gleichzeitigen sensorischen Aufgabe. Bei EMDR handelt es sich meist um Augenbewegungen oder eine bilaterale Stimulation, beim EFT um das Beklopfen von bestimmten Körperpunkten.

Eine mögliche Erklärung könnte daher weniger in traditionellen Meridianvorstellungen als in dieser doppelten Aufmerksamkeitsausrichtung liegen: Ein Teil der Aufmerksamkeit bleibt beim belastenden Material, ein anderer Teil ist an eine gegenwärtige, körperlich wahrnehmbare Tätigkeit gebunden.

Auch diese Erklärung war 2018 eine plausible Hypothese, aber kein abschließend belegter Wirkmechanismus.

Was lässt sich aus der Übersichtsarbeit mitnehmen?

Die Arbeit kommt insgesamt zu einer vorsichtig positiven Einschätzung. Die bis Anfang 2018 vorhandenen Studien lieferten Hinweise darauf, dass Klopftechniken besonders bei Beschwerden mit hoher emotionaler und körperlicher Erregung hilfreich sein könnten.

Dazu gehörten vor allem:

  • Ängste und spezifische Phobien,
  • posttraumatische Belastungssymptome,
  • stressbezogene körperliche Beschwerden,
  • Schlafprobleme und Schmerzen im Zusammenhang mit hoher Belastung.

Besonders ermutigend waren die Ergebnisse bei posttraumatischen Belastungsreaktionen. Viele Studien hatten jedoch kleine Teilnehmerzahlen, manche stammten aus wenigen miteinander verbundenen Forschergruppen, und häufig fehlte der Vergleich mit einer gleich intensiven etablierten Psychotherapie.

Die Übersichtsarbeit zeigt deshalb weder, dass EFT unwirksam sei, noch dass seine Wirksamkeit bereits abschließend bewiesen wäre. Sie zeigt vielmehr eine Methode, deren Ergebnisse wissenschaftlich ernst genug sind, um sie weiter zu untersuchen.

Warum diese Ergebnisse Mut machen

In der praktischen Arbeit zählt nicht nur, ob eine Methode theoretisch überzeugend erklärt werden kann. Entscheidend ist auch, ob Menschen sie als zugänglich, nachvollziehbar und selbstwirksam erleben.

Klopfakupressur kann dazu beitragen, eine passive Haltung gegenüber belastenden Gefühlen zu verändern. Statt der inneren Reaktion ausgeliefert zu sein, kann der Betroffene unmittelbar etwas tun: wahrnehmen, benennen, klopfen, atmen und beobachten, was sich verändert. Gerade diese Erfahrung kann wertvoll sein:

„Ich kann meine Reaktion beeinflussen, ohne sie verdrängen zu müssen.“

Das bedeutet nicht, dass jede Belastung schnell verschwindet. Besonders bei komplexen Traumafolgen braucht es häufig einen sorgfältigen, stabilisierenden und individuell abgestimmten Prozess. Klopfen sollte dann nicht als forcierte Konfrontation eingesetzt werden, sondern innerhalb eines sicheren Rahmens, der Dosierung, Orientierung und Selbstbestimmung berücksichtigt.

Die Übersichtsarbeit von Antonia Pfeiffer liefert dafür eine ermutigende Grundlage. Sie zeigt: Das Klopfen lässt sich nicht länger allein als ungewöhnliche Randerscheinung abtun. Gleichzeitig bleibt wissenschaftliche Sorgfalt notwendig. Begeisterung und nüchterne Einordnung schließen sich nicht aus – sie können sich sogar sinnvoll ergänzen.

Quelle: Pfeiffer, A. (2018). Was ist dran am Klopfen? Eine Übersichtsarbeit. Psychotherapeutenjournal, 17(3), 235–243.

Zur vollständigen wissenschaftlichen Übersichtsarbeit…

Weitere wissenschaftliche Studien zur Klopfakupressur

Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.