Studie: EFT als Teil einer ergänzenden Behandlung bei Schizophrenie

EFT als Teil einer spirituellen Begleitung bei Schizophrenie – eine kleine Studie aus Indonesien

Kann Klopfakupressur auch bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen einen Platz haben – nicht als Ersatz für eine psychiatrische Behandlung, sondern als ergänzende Unterstützung?

Eine Studie aus Indonesien hat genau diese Frage in einem besonderen kulturellen und religiösen Kontext untersucht. Sie verband Elemente von Emotional Freedom Techniques (EFT) mit islamischer Spiritualität und begleitete sieben Menschen mit diagnostizierter Schizophrenie über vier Wochen. Die Ergebnisse sind interessant.

SQEFT: Klopfen kombiniert mit spiritueller Praxis

Die Forscher bezeichneten ihre Methode als Spiritual Qur’anic Emotional Freedom Technique, kurz SQEFT. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um klassisches EFT allein. Die Intervention verband Klopfakupressur mit verschiedenen religiösen und entspannungsorientierten Elementen. Dazu gehörten unter anderem:

  • Gebet und religiöse Begleitung,
  • rituelle Waschung,
  • Koranrezitationen,
  • das Hören von Suren,
  • Dhikr – also das wiederholte Sprechen religiöser Formeln –,
  • ruhige Atmung sowie
  • EFT mit Klopfpunkten und
  • auf die wahrgenommenen Beschwerden bezogenen Formulierungen.

Die religiöse Ausrichtung war dabei kein beiläufiger Zusatz, sondern ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Behandlungskonzepts. Die Untersuchung ist deshalb besonders als Beispiel dafür interessant, wie Klopfakupressur in ein kulturell und spirituell passendes Gesamtkonzept integriert werden kann.

7 Menschen mit Schizophrenie nahmen vollständig teil

Alle waren von einem Psychiater nach den damals verwendeten DSM-IV-TR-Kriterien als schizophren diagnostiziert worden. Voraussetzung war außerdem, dass die Patienten ruhig, kooperativ und kommunikationsfähig waren.

Ein sehr wichtiger Punkt: Die bestehende medizinische Behandlung wurde ausdrücklich fortgeführt. SQEFT sollte nach dem Konzept der Autoren keine psychiatrische oder medikamentöse Behandlung ersetzen, sondern diese ergänzen.

4 Wochen – mit zunehmend selbstständiger Anwendung

Das Programm lief über 4 Wochen. In den ersten beiden Wochen fand jeweils eine etwa 60-minütige Sitzung statt. Die Teilnehmer wurden dabei von Forschern und Pflegepersonal angeleitet. In der dritten und vierten Woche wurden die Sitzungen auf etwa 80 Minuten erweitert. Zusätzlich übten die Patienten SQEFT paarweise und zunehmend selbstständig, weiterhin unter Begleitung.

Das eigentliche Klopfen war also ein Bestandteil eines relativ umfangreichen Gesamtprogramms. Die Sitzungen beinhalteten beispielsweise Entspannung und tiefe Atmung, religiöse Beratung, Gebete, Koranrezitationen und das Hören einer Sure sowie anschließend EFT mit Set-up, Einstimmung auf das jeweilige Thema und Klopfen ausgewählter Punkte.

Wie wurden die Veränderungen gemessen?

Zur Beurteilung verwendeten die Forscher die Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS). Die BPRS ist ein etabliertes Instrument zur Einschätzung psychiatrischer Symptome. Sie ist keine Diagnosemethode, sondern dient dazu, die Ausprägung bestimmter psychopathologischer Auffälligkeiten zu erfassen. In der hier verwendeten Version wurden 18 Bereiche beurteilt. Dazu gehörten unter anderem:

  • Angst,
  • Schuldgefühle und
  • depressive Symptome,
  • Halluzinationen und
  • ungewöhnliche Gedankeninhalte,
  • emotionaler Rückzug,
  • verlangsamte Motorik,
  • Feindseligkeit,
  • Misstrauen und
  • mangelnde Kooperation.

Je höher der BPRS-Wert, desto stärker sind die erfassten Symptome ausgeprägt. Die Forscher verglichen die Werte vor der Intervention mit zwei späteren Messungen während beziehungsweise nach dem SQEFT-Programm.

Die BPRS-Werte gingen deutlich zurück

Das auffälligste Ergebnis der Untersuchung: Die durchschnittlichen Bewertungen gingen über die Messzeitpunkte hinweg zurück. Die Abbildung der Studie zeigt diesen Verlauf praktisch bei allen 18 untersuchten BPRS-Bereichen.

Zwischen der Ausgangsmessung und der ersten späteren Messung berichten die Autoren eine mittlere Differenz von 0,88 Punkten pro Punkt. Zwischen Ausgangsmessung und der zweiten späteren Messung betrug die Differenz 1,53 Punkte. Auch zwischen den beiden späteren Messungen zeigte sich nochmals eine durchschnittliche Abnahme um 0,64 Punkte.

Die statistischen Vergleiche wurden von den Autoren jeweils mit einem p-Wert von 0,000 angegeben – wissenschaftlich würde man dies üblicherweise als p < 0,001 ausdrücken. Das ist ein bemerkenswert einheitlicher Verlauf.

Auch Motivation und Kooperation veränderten sich

Die Autoren beschreiben neben den BPRS-Werten weitere Beobachtungen während der 4 Wochen. Die Teilnehmer seien zunehmend motivierter und kooperativer geworden, hätten besser kommuniziert und sich aktiver an den Übungen beteiligt. Auch Geduld, Akzeptanz und der Umgang mit der eigenen Erkrankung hätten sich nach Einschätzung der Autoren verändert. Ab der dritten Woche konnten die Teilnehmer Teile der Methode paarweise selbst durchführen.

Gerade dieser Aspekt ist interessant: Ein Verfahren, bei dem Menschen aktiv etwas selbst tun können, kann subjektiv ein anderes Erleben vermitteln als eine ausschließlich passive Behandlung.Ob und in welchem Ausmaß gerade das Klopfen für die beobachteten Veränderungen verantwortlich war, lässt sich aus dieser Untersuchung allerdings so nicht feststellen.

Was bedeutet die Studie für EFT?

Die Studie zeig: bei 7 Menschen mit diagnostizierter Schizophrenie gingen psychiatrische Symptomwerte während eines vierwöchigen kombinierten psychospirituellen Programms mit EFT-Anteilen deutlich zurück. Das ist ein interessantes Signal. Die Studie zeigt jedoch nicht, dass EFT allein Schizophrenie behandelt oder dass Klopfakupressur eine psychiatrische Therapie ersetzen könnte.

Gerade die Kombination macht die Untersuchung interessant

Menschen leben nicht nur in einem Körper und nicht nur in ihren Gedanken. Persönliche Überzeugungen, kultureller Hintergrund, soziale Beziehungen, Spiritualität und das Gefühl eigener Handlungsmöglichkeiten können für den Umgang mit Belastungen wichtig sein. Die Forscher versuchten, diese verschiedenen Ebenen miteinander zu verbinden.

Für die Teilnehmer dieser Untersuchung war der islamische Glaube ein wesentlicher Teil dieses Ansatzes. In einem anderen kulturellen Kontext müsste eine solche Begleitung selbstverständlich völlig anders aussehen. Das Grundprinzip dahinter bleibt jedoch interessant:

Eine körperorientierte Selbstregulationsmethode wie Klopfakupressur kann in ein umfassenderes, für den jeweiligen Menschen stimmiges Unterstützungskonzept eingebettet werden.

Was lässt sich daraus für die Praxis mitnehmen?

Die Studie liefert einen frühen Hinweis darauf, dass es sich lohnen könnte, körperorientierte und leicht erlernbare Regulationsverfahren auch bei psychiatrisch behandelten Menschen wissenschaftlich genauer zu untersuchen. Dabei wäre vor allem interessant, in zukünftigen kontrollierten Studien zu prüfen, ob Klopfen zusätzlich zu einer bestehenden Behandlung einen eigenständigen Beitrag leisten kann.

Für die Klopfakupressur-Forschung ist genau das die spannende Frage: Kann eine sorgfältig eingesetzte Klopfintervention Menschen mit schweren psychischen Belastungen zusätzlich dabei unterstützen, Anspannung und emotionale Belastung besser zu regulieren?

Quelle: Rosyanti, L., Hadi, I., Tanra, J., Islam, A., Hatta, M., Hadju, V., Idrus, F., & Ibrahim, K. (2018). The effectiveness of Spiritual Qur’anic Emotional Freedom Technique (SQEFT) intervence against the change of Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS) on patient with schizophrenia. Health Notions, 2(8), 895–900.

Zur vollständigen Studie…

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Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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