
Stress kennt keine Altersgrenze. Gerade im höheren Lebensalter können körperliche Veränderungen, Verluste, Einsamkeit oder veränderte Lebensumstände zusätzlich belasten. Umso interessanter ist die Frage, ob einfache Methoden zur emotionalen Selbstregulation dabei helfen können, das subjektive Stresserleben zu verringern.
Genau dieser Frage gingen die Psychologinnen Diah Karmiyati und Siti Zuhana Sari von der University of Muhammadiyah Malang in Indonesien nach. Sie verglichen zwei ungewöhnlich niedrigschwellige Ansätze miteinander: Lachtherapie und SEFT – Spiritual Emotional Freedom Technique, eine in Indonesien entwickelte Variante der Klopfakupressur.
Das Ergebnis ist interessant: Sowohl die Lachtherapie als auch SEFT waren mit einer stärkeren Verringerung des wahrgenommenen Stresses verbunden als die unbehandelte Kontrollgruppe.
Was ist SEFT?
SEFT steht für Spiritual Emotional Freedom Technique. Die Methode wurde in Indonesien von Ahmad Faiz Zainuddin entwickelt und verbindet Elemente der Emotional Freedom Techniques (EFT) mit einer ausdrücklich spirituellen Komponente.
Das Grundprinzip dürfte vielen EFT-Anwendern vertraut vorkommen. Die Teilnehmer richten ihre Aufmerksamkeit auf ein belastendes Erleben und beklopfen dabei bestimmte Körperpunkte. Die Autoren beschreiben drei zentrale Schritte:
- Set-up: Zunächst wird das belastende Thema innerlich aufgegriffen.
- Tune-in: Die Aufmerksamkeit bleibt beim aktuellen Erleben beziehungsweise bei der damit verbundenen Belastung.
- Tapping: Anschließend werden bestimmte Punkte an Kopf, Oberkörper und Händen beklopft.
SEFT unterscheidet sich jedoch von dem bei uns üblichen EFT dadurch, dass Spiritualität ausdrücklich Bestandteil der Methode ist. In der vorliegenden Studie gehörten beispielsweise Gebet, Hingabe und Vertrauen auf Allah zum Ablauf. Am Ende einer Sitzung sollten die Teilnehmer langsam ein- und ausatmen und „Alhamdulillah“ („Lob sei Gott“ oder „Gott sei Dank“) sagen.
15 ältere Frauen und 3 verschiedene Gruppen
Für die Untersuchung wurden zunächst 43 ältere Menschen mit der Perceived Stress Scale (PSS) untersucht. Diese international häufig eingesetzte Skala erfasst, wie unvorhersehbar, unkontrollierbar oder belastend jemand seine derzeitige Lebenssituation empfindet.
15 Frauen zwischen 60 und 75 Jahren erfüllten schließlich die Teilnahmebedingungen. 12 hatten ein mittleres und 3 ein hohes Stressniveau. Die Frauen wurden auf 3 Gruppen mit jeweils 5 Teilnehmerinnen verteilt:
- eine Gruppe erhielt Lachtherapie,
- eine Gruppe erhielt SEFT,
- eine Kontrollgruppe erhielt während dieser Zeit keine der beiden Interventionen.
Die Zuordnung erfolgte nicht zufällig. Die Forscher sprechen deshalb ausdrücklich von einem quasi-experimentellen Prätest-Posttest-Design.
6 Wochen Klopfen
Die SEFT-Gruppe erhielt über 6 Wochen einmal wöchentlich eine Sitzung von mindestens 30 Minuten.
Dabei wurden Set-up, Tune-in und Tapping durchgeführt. Während des Tune-ins beklopfte der Therapeut verschiedene Punkte an Kopf, Brust und Händen. Auch Bestandteile des sogenannten 9-Gamut-Verfahrens wurden verwendet.
Interessant ist eine Beobachtung aus dem praktischen Ablauf: Anfangs waren einige Teilnehmerinnen noch zurückhaltend und hatten Schwierigkeiten mit einzelnen Übungen. Ab ungefähr der dritten Sitzung wurden die Abläufe offenbar vertrauter und konnten leichter ausgeführt werden.
Die Forscher berichten außerdem, dass sich die Teilnehmerinnen nach den Sitzungen ruhig und angenehm fühlten und weniger negative Emotionen wie Ärger, Angst oder Traurigkeit äußerten.
Und was machte die Lachtherapie-Gruppe?
Auch die Vergleichsintervention war keineswegs passiv. Die Lachtherapie kombinierte Atemübungen, körperliche Entspannung, Bewegung und verschiedene Formen absichtlich erzeugten Lachens. Eine Sitzung dauerte etwa 20 bis 30 Minuten und wurde ebenfalls einmal wöchentlich über sechs Wochen durchgeführt.
Auch hier zeigte sich ein Gewöhnungseffekt: Zu Beginn wirkten einige Teilnehmerinnen gehemmt oder empfanden das absichtliche Lachen offenbar als künstlich. Im Verlauf der Sitzungen wurden sie sicherer und beteiligten sich zunehmend selbstverständlich an den Übungen.
Damit verglich die Untersuchung Klopfakupressur nicht einfach mit „nichts“, sondern zusätzlich mit einer aktiven Methode, die ebenfalls Entspannung, Aufmerksamkeit und emotionale Veränderung fördern sollte.
Was kam dabei heraus?
Nach Abschluss der Interventionen unterschieden sich die drei Gruppen statistisch voneinander. Besonders interessant sind die direkten Vergleiche:
- Die Lachtherapie-Gruppe unterschied sich signifikant von der Kontrollgruppe. Der angegebene Unterschied betrug 3,20 Punkte, bei p = 0,03.
- Auch die SEFT-Gruppe unterschied sich signifikant von der Kontrollgruppe. Hier betrug der Unterschied 3,40 Punkte, bei p = 0,02.
- Zwischen SEFT und Lachtherapie betrug die Differenz dagegen lediglich 0,20 Punkte und war mit p = 1,00 nicht statistisch signifikant.
Das ist für die Interpretation wichtig. Die Autoren schreiben zwar, SEFT sei beim Abbau von Stress „effektiver“ gewesen als Lachtherapie. Rein numerisch war die Veränderung bei SEFT tatsächlich geringfügig stärker. Die statistische Auswertung zeigt jedoch keinen nachweisbaren Unterschied zwischen den beiden aktiven Methoden.
Wissenschaftlich sauber lässt sich das Ergebnis deshalb so zusammenfassen: In dieser Untersuchung war sowohl SEFT als auch Lachtherapie mit geringerem wahrgenommenem Stress verbunden als keine Intervention. Ein statistisch belegter Vorteil von SEFT gegenüber der Lachtherapie konnte nicht gezeigt werden.
Und gerade dieses Ergebnis ist durchaus interessant.
Was daran spannend ist
Bei Klopfakupressur denkt man häufig zuerst an konkrete emotionale Belastungen, Ängste, belastende Erinnerungen oder stark aktivierende Situationen. Die vorliegende Untersuchung betrachtet dagegen etwas Alltäglicheres: das allgemeine subjektive Stresserleben älterer Menschen.
Dabei wurde nicht eine einzelne belastende Erinnerung behandelt. Die Methode wurde über mehrere Wochen regelmäßig angewendet.
Das macht die Studie insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Selbstregulation interessant. Denn Stress entsteht nicht ausschließlich durch außergewöhnliche Ereignisse. Häufig sind es dauerhafte Belastungen, Unsicherheit, Überforderung oder wiederkehrende Gedanken, die das Nervensystem immer wieder aktivieren.
Klopfakupressur bietet hier einen sehr einfachen praktischen Zugang: Die Aufmerksamkeit bleibt nicht ausschließlich beim Denken über das Problem. Gleichzeitig kommt eine körperlich ausgeführte Handlung hinzu. In der untersuchten SEFT-Variante wurde dies zusätzlich mit Atemregulation, innerer Ausrichtung und spirituellen Elementen verbunden.
Klopfen als erlernbare Selbsthilfe
Ein weiterer Aspekt der Studie dürfte vielen EFT-Anwendern bekannt vorkommen: Die Teilnehmer sollten die erlernten Techniken auch selbstständig weiter einsetzen.
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass sowohl Lachtherapie als auch SEFT nach entsprechender Anleitung als Selbsthilfemethoden praktiziert werden können. Nach Abschluss der Sitzungen wurden die Teilnehmer deshalb dazu angeregt, die Übungen weiter anzuwenden.
Gerade hierin liegt eine der besonderen Eigenschaften der Klopfakupressur: Nach dem Erlernen ist für die praktische Anwendung weder ein Gerät noch eine besondere Umgebung erforderlich. Klopfen lässt sich grundsätzlich dort einsetzen, wo eine belastende emotionale Aktivierung wahrgenommen wird.
Für ältere Menschen kann diese Einfachheit besonders interessant sein. Eine Methode, die nach dem Erlernen eigenständig angewendet werden kann, schafft eine unmittelbare Möglichkeit, selbst etwas zur Regulation des aktuellen Stresserlebens beizutragen.
Eine kleine Studie mit einem bemerkenswerten Ergebnis
Die Untersuchung umfasst lediglich 15 Teilnehmerinnen, fünf pro Gruppe, und wurde als quasi-experimentelle Studie ohne randomisierte Gruppenzuteilung durchgeführt. Die Autoren selbst empfehlen für weitere Untersuchungen größere Stichproben und eine zufällige Zuteilung der Teilnehmer.
Trotzdem liefert die Studie einen interessanten Befund: Nach sechs Wochen zeigte sich sowohl bei der Lachtherapie als auch bei der klopfbasierten SEFT-Intervention ein statistischer Unterschied gegenüber der Kontrollgruppe.
Gerade für die weitere Forschung zur Klopfakupressur ist das ein sinnvoller Ansatzpunkt. Denn die Ergebnisse passen zu der Frage, die in vielen EFT-Studien untersucht wird: Kann eine Intervention, bei der ein emotionales Thema fokussiert und gleichzeitig geklopft wird, das subjektive Belastungserleben verändern?
In dieser kleinen Untersuchung mit älteren Frauen lautet die Antwort: Die Ergebnisse sprechen dafür, dass es einen solchen Zusammenhang geben könnte.
Und vielleicht ist das auch die interessanteste Botschaft dieser Arbeit: Klopfakupressur muss nicht erst dann interessant werden, wenn außergewöhnlich starke Belastungen auftreten. Sie kann auch als unkomplizierte Methode zur emotionalen Selbstregulation im Alltag betrachtet und weiter erforscht werden.
Quelle: Karmiyati, D., & Sari, S. Z. (2018). The comparison between laughter and SEFT therapies effect towards stress for the elderly people. Proceedings of the 3rd ASEAN Conference on Psychology, Counselling, and Humanities (ACPCH 2017). Atlantis Press.
Weitere wissenschaftliche Studien…
Wer EFT bisher nur vom Hörensagen kennt, findet hier einen guten Anlass, sich genauer mit der Methode zu beschäftigen. Und wer bereits klopft, bekommt einen weiteren Einblick darin, wie vielfältig Klopfmethoden inzwischen international angewendet und wissenschaftlich untersucht werden.
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Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.