Meta-Studie aus sieben Studien: EFT und posttraumatischer Stress

Kann Klopfakupressur Menschen helfen, die unter starken Folgen traumatischer Erfahrungen leiden?

Diese Frage ist besonders anspruchsvoll. Denn bei einer posttraumatischen Belastungsstörung – kurz PTBS oder englisch PTSD – geht es nicht einfach um vorübergehenden Stress. Erinnerungen können sich aufdrängen, bestimmte Situationen werden vermieden, der Körper bleibt in einer erhöhten Alarmbereitschaft und Schlaf, Konzentration und Alltag können erheblich beeinträchtigt sein.

Umso interessanter ist eine 2017 veröffentlichte Meta-Analyse von Brenda Sebastian und Jerrod Nelms. Die beiden Wissenschaftler wollten nicht nur eine einzelne EFT-Studie betrachten, sondern die bis dahin vorliegenden randomisierten kontrollierten Studien zu EFT und posttraumatischem Stress gemeinsam auswerten.

Das Ergebnis fiel bemerkenswert deutlich aus: In den Studien, in denen EFT mit einer Warteliste oder der üblichen Versorgung verglichen wurde, zeigte sich insgesamt eine sehr große Verringerung der erfassten PTBS-Symptomatik zugunsten der EFT-Gruppen.

Was ist eine Meta-Analyse – und warum ist sie interessant?

Eine einzelne Studie kann immer durch Besonderheiten beeinflusst werden: durch die untersuchten Teilnehmer, die Therapeuten, die verwendeten Fragebögen oder schlicht durch Zufall.

Bei einer Meta-Analyse werden deshalb die Ergebnisse mehrerer geeigneter Studien statistisch zusammengeführt. Größere und aussagekräftigere Studien erhalten dabei in der Regel mehr Gewicht als kleinere Untersuchungen.

Sebastian und Nelms suchten gezielt nach randomisierten kontrollierten Studien, sogenannten RCTs. Bei diesem Studiendesign werden Teilnehmer unterschiedlichen Bedingungen zugeordnet, beispielsweise einer EFT-Gruppe und einer Wartelisten- oder Vergleichsgruppe.

Die Autoren fanden sieben Studien, die ihre Kriterien erfüllten und in die Meta-Analyse aufgenommen wurden. Die Qualität der Untersuchungen wurde anhand von Standards beurteilt, die von der Division 12 der American Psychological Association für empirisch untersuchte psychotherapeutische Verfahren veröffentlicht worden waren.

Was wurde in den EFT-Sitzungen gemacht?

Die in diesen Untersuchungen eingesetzte Form des EFT kombinierte die Beschäftigung mit belastenden Erinnerungen oder emotionalen Reaktionen mit dem Klopfen bestimmter Akupunktur- beziehungsweise Akupressurpunkte.

Das Prinzip dürfte vielen EFT-Anwendern vertraut sein: Ein belastendes Thema wird innerlich aktiviert und möglichst konkret benannt. Gleichzeitig werden bestimmte Punkte am Körper mit den Fingerspitzen beklopft. Je nach Protokoll werden außerdem die subjektiv empfundene Belastung eingeschätzt und Formulierungen während des Prozesses an die auftretenden Veränderungen angepasst.

Damit verbindet EFT kognitive und emotionsbezogene Elemente mit einer körperorientierten Intervention. Die neuere wissenschaftliche Literatur beschreibt Clinical EFT entsprechend als psychophysiologischen Ansatz mit Elementen unter anderem aus kognitiven und Expositionsverfahren sowie der Akupressur.

Dabei sollte zwischen zwei Fragen unterschieden werden: Ob sich unter EFT messbare Veränderungen zeigen, lässt sich empirisch untersuchen. Warum solche Veränderungen zustande kommen, ist eine davon getrennte Frage. Über den genauen Wirkmechanismus besteht wissenschaftlich weiterhin keine abschließende Einigkeit.

Das zentrale Ergebnis: eine ungewöhnlich große Effektstärke

Besonders interessant ist das Ergebnis der Studien, in denen EFT mit einer Warteliste oder der üblichen Versorgung verglichen wurde. Sebastian und Nelms errechneten hierfür eine gewichtete Effektstärke von:

Cohen’s d = 2,96

Das 95-prozentige Konfidenzintervall lag zwischen 1,96 und 3,97, das Ergebnis war mit p < 0,001 statistisch hochsignifikant.

Wer mit Effektstärken normalerweise wenig zu tun hat: Cohen’s d beschreibt vereinfacht gesagt, wie groß der Unterschied zwischen Gruppen im Verhältnis zur Streuung der Messwerte ist. Als grobe Orientierung werden häufig Werte um 0,2 als klein, um 0,5 als mittel und ab etwa 0,8 als groß bezeichnet.

Ein Wert von 2,96 liegt also weit darüber.

Das bedeutet allerdings nicht, dass EFT „zu 296 Prozent wirkt“ oder dass bei jedem einzelnen Teilnehmer eine entsprechend große Veränderung zu erwarten wäre. Effektstärken lassen sich so nicht interpretieren. Sie beschreiben einen statistischen Unterschied zwischen den untersuchten Bedingungen.

Die Autoren kamen aufgrund ihrer Auswertung zu dem Schluss, dass bereits vier bis zehn EFT-Sitzungen in den untersuchten Populationen mit deutlichen Veränderungen der PTBS-Symptomatik verbunden waren.

Besonders interessant: EFT im Vergleich mit anderen Verfahren

Die Meta-Analyse enthielt nicht ausschließlich Untersuchungen mit Wartelisten. In einer Studie wurde EFT direkt mit EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing verglichen, in einer weiteren mit kognitiver Verhaltenstherapie (CBT). Sebastian und Nelms fanden in diesen direkten Vergleichen keinen statistisch nachweisbaren Unterschied zwischen den Behandlungsergebnissen von EFT und den jeweiligen Vergleichsverfahren. Das klingt zunächst beeindruckend, muss aber korrekt gelesen werden.

Aus jeweils einer einzigen Vergleichsstudie lässt sich nicht ableiten, dass EFT generell genauso wirksam sei wie EMDR oder kognitive Verhaltenstherapie. Man kann lediglich sagen: In diesen konkreten Untersuchungen zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Gerade für EFT-Anwender ist diese Unterscheidung wichtig. Ein spannendes Forschungsergebnis wird nicht überzeugender, wenn daraus mehr gemacht wird, als die Daten tatsächlich hergeben.

Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche traumatische Erfahrungen

Ein weiterer interessanter Aspekt der damaligen Forschung war die Bandbreite der untersuchten Personengruppen.

Die EFT-Forschung zu Trauma und posttraumatischem Stress umfasste unter anderem Kriegsveteranen, Menschen nach Gewalterfahrungen und weitere Gruppen mit erheblichen traumabezogenen Belastungen. Die spätere Aktualisierung der Forschung beschreibt eine noch größere Bandbreite von Populationen.

Für Sebastian und Nelms war dies ein Hinweis darauf, dass die beobachteten Veränderungen nicht ausschließlich auf eine sehr eng definierte Patientengruppe beschränkt waren.

Auch die Abbruchquote war in den sieben Studien insgesamt vergleichsweise niedrig: Die spätere Nachanalyse berichtet für die von Sebastian und Nelms berücksichtigten Untersuchungen im Durchschnitt weniger als zehn Prozent Studienabbrüche beziehungsweise Verluste bis zur Nachuntersuchung.

Die Meta-Analyse fand deutliche Hinweise darauf, dass EFT in den untersuchten randomisierten Studien mit einer erheblichen Verringerung posttraumatischer Belastungssymptome verbunden war.

Wurde das Ergebnis später bestätigt?

Interessanterweise endete die Forschung nicht 2017.

2023 erschien eine aktualisierte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu Clinical EFT bei posttraumatischem Stress. Auch dort zeigten die Studien beim Vergleich von EFT mit Warteliste, üblicher Versorgung oder keiner Behandlung große und statistisch signifikante Effekte.

In vier entsprechenden Studien mit insgesamt 88 Teilnehmern in den EFT-Gruppen und 76 Teilnehmern in den Kontrollgruppen lagen die einzelnen Effektstärken zwischen 1,38 und 2,51. Der zusammengefasste Effekt betrug je nach statistischem Modell ungefähr 1,86 bis 1,88.

Das ist kleiner als der außergewöhnlich hohe Wert von 2,96 aus der ursprünglichen Meta-Analyse – aber nach üblichen statistischen Maßstäben immer noch ein großer Unterschied.

Auch beim Vergleich mit aktiven psychotherapeutischen Verfahren ergab die aktualisierte Analyse keinen statistisch signifikanten Gesamtunterschied. Hier lagen allerdings wiederum nur wenige Studien vor.

Damit ist das Ergebnis von Sebastian und Nelms nicht einfach eine einzelne historische Auffälligkeit. Spätere Untersuchungen liefern weitere Hinweise in dieselbe Richtung, ohne damit sämtliche offenen wissenschaftlichen Fragen zu beantworten.

Was bedeutet das?

Vielleicht ist gerade diese Mischung aus deutlichen Ergebnissen und noch offenen Fragen das Interessante an der Studie. Sie liefert keinen wissenschaftlichen Freibrief für Aussagen wie „EFT heilt PTBS“. Das wäre weder durch diese Daten gedeckt noch eine angemessene Art, mit einem komplexen Störungsbild umzugehen.

Sehr wohl zeigt sie jedoch, dass Klopfakupressur im Zusammenhang mit traumabezogenen Belastungen wissenschaftlich untersuchbare Effekte hervorgebracht hat – und zwar nicht nur in Einzelfallberichten, sondern auch in randomisierten kontrollierten Untersuchungen.

Für die praktische Arbeit ist zudem wichtig, zwischen emotionaler Stabilisierung und Selbsthilfe auf der einen Seite und der gezielten Bearbeitung schwerer traumatischer Erfahrungen auf der anderen zu unterscheiden.

Gerade bei starken posttraumatischen Reaktionen gilt nicht: Je intensiver man sich der belastenden Erinnerung aussetzt, desto besser. Stabilisierung, Dosierung und ein sorgfältiger Umgang mit Übererregung, Dissoziation oder Überflutung sind entscheidend.

Klopfen kann dabei beispielsweise auch eingesetzt werden, ohne sofort mitten in das traumatische Erlebnis hineinzugehen.

Ein bemerkenswertes Signal aus der Forschung

Die Meta-Analyse von Sebastian und Nelms gehört zu den Studien, die in der wissenschaftlichen Diskussion über EFT besonders häufig zitiert werden – aus nachvollziehbarem Grund.

Die Ergebnisse sind wissenschaftlich ausgesprochen interessant – und sie rechtfertigen weitere hochwertige Forschung.

Für EFT-Interessenten vielleicht die spannendste Botschaft: Was lange vor allem aus praktischer Erfahrung berichtet wurde, lässt sich zumindest teilweise auch unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen beobachten und messen.

Quelle: Sebastian, B., & Nelms, J. (2017). The effectiveness of Emotional Freedom Techniques in the treatment of posttraumatic stress disorder: A meta-analysis. Explore, 13(1), 16–25, ISSN 1550-8307.

Zur vollständigen Studie…

Weitere wissenschaftliche Studien…

Erlebe, wie einfach Du mit EFT zur Ruhe kommen kannst – jetzt hier entdecken!

Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.