
Manchmal geraten wir in Situationen, in denen wir uns überfordert, unsicher oder allein fühlen. Gerade dann wünschen sich viele Menschen jemanden, der ihnen Mut macht, Orientierung gibt oder einfach nur ruhig und verständnisvoll an ihrer Seite bleibt.
Die gute Nachricht ist: Einen solchen Begleiter kannst Du jederzeit dabeihaben – ganz ohne Handy, Termin oder lange Anfahrt. In der Psychologie spricht man häufig von einem inneren Helfer. Er ist eine bewährte Imaginations- und Stabilisierungstechnik, die in vielen therapeutischen und beratenden Verfahren genutzt wird, um Menschen in belastenden Situationen zu unterstützen.
Was ist ein innerer Helfer?
Ein innerer Helfer ist eine innere Vorstellung einer Person, eines Tieres oder einer anderen Gestalt, die Sicherheit, Zuversicht und Orientierung vermittelt. Er muss nicht real existieren. Entscheidend ist, dass die Vorstellung bei Dir positive Gefühle auslöst. Ein innerer Helfer kann zum Beispiel sein:
- eine weise Fantasiegestalt,
- ein Mensch, der Dir viel bedeutet oder bedeutet hat,
- ein erfahrener Lehrer oder Mentor,
- ein liebevoller Großvater oder eine fürsorgliche Großmutter,
- ein Haustier,
- ein starker Löwe oder ein treuer Hund,
- eine Figur aus einem Märchen oder Film,
- oder – für gläubige Menschen – Gott, Jesus, ein Engel oder eine andere spirituelle Bezugsperson.
Es gibt dabei kein „richtig“ oder „falsch“. Entscheidend ist allein, dass sich die Vorstellung für Dich stimmig anfühlt.
Dein persönlicher „Taschentherapeut“
Am Ende einer Begleitung sage ich meinen Klienten oft mit einem Lächeln:
„Denken Sie daran, dass Sie immer einen Taschentherapeuten bei sich haben. Wenn Sie in einer schwierigen Situation sind, fragen Sie sich einfach: Was hätte mein Therapeut jetzt wohl zu mir gesagt?“
Diese einfache Frage verändert häufig schon die Perspektive. Plötzlich tauchen Sätze auf wie:
- „Atme erst einmal ruhig durch.“
- „Du musst das nicht perfekt machen.“
- „Schau Schritt für Schritt.“
- „Du hast schon ganz andere Herausforderungen gemeistert.“
- „Sei freundlich zu Dir selbst.“
- „Denk ans EFT / TTT.“
- „Klopf doch mal das Thema …“
Mit der Zeit werden solche unterstützenden Gedanken zu einer inneren Stimme, die auch ohne den Therapeuten verfügbar bleibt. Genau das ist eines der Ziele jeder guten Begleitung: Menschen darin zu unterstützen, ihre eigenen Ressourcen immer besser selbst zu nutzen.
Dein innerer Helfer, Deine innere Helferin als weise Fantasiegestalt kann Dir auch viel komplexere Impulse geben, da sie oder er Deine eigene innere Weisheit und Deine eigenen inneren Ressourcen repräsentiert.
Warum funktioniert das?
Unser Gehirn verarbeitet lebendige Vorstellungen erstaunlich intensiv. Wenn wir uns einen Menschen vorstellen, bei dem wir uns sicher und verstanden fühlen, kann das Gefühle von Ruhe, Sicherheit, Zuversicht und auch neue Ideen, Imulse und Gedanke fördern. Aus der Psychotherapie ist bekannt, dass solche ressourcenorientierten Imaginationsübungen vielen Menschen helfen können,
- den Blick zu weiten,
- mehr Abstand zu belastenden Gedanken zu gewinnen,
- hilfreiche Lösungen leichter zu entdecken,
- und wieder Zugang zu den eigenen Stärken zu finden.
Der innere Helfer ersetzt natürlich keine fachliche Unterstützung, kann aber im Alltag eine wertvolle Ergänzung sein.
Der runde Tisch der inneren Helfer
Manche Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens sogar mehrere innere Helfer. Eine schöne Übung besteht darin, sich einen großen runden Tisch vorzustellen. Dort sitzen alle Deine inneren Helfer gemeinsam. Vielleicht sitzt dort
- der mutige Löwe,
- die liebevolle Großmutter,
- der kluge Lehrer,
- der humorvolle Freund,
- ein weiser Mönch,
- oder eine Figur aus Deiner Lieblingsgeschichte.
Nun stellst Du ihnen eine Frage, die Dich gerade beschäftigt. Dann hörst Du einfach zu. Was würde jeder Einzelne empfehlen?
Oft entstehen dabei überraschend kreative Ideen oder neue Blickwinkel. Nicht selten ergänzen sich die unterschiedlichen „Stimmen“ sogar: Die eine spendet Trost, die andere macht Mut, eine dritte erinnert Dich daran, geduldig zu bleiben. Diese Übung kann besonders hilfreich sein, wenn Entscheidungen anstehen oder Du Dich innerlich festgefahren fühlst.
Manchmal präsentieren innere Helfer auch Symbole, die man zum Meditieren benutzen kann und dadurch noch viel tiefgreifendere Erkenntnisse ermöglichen.
Innere Helfer und EFT
Auch bei der EFT-Klopfakupressur können innere Helfer eine wertvolle Unterstützung sein. Manche Menschen erleben es als angenehm, sich während des Klopfens vorzustellen, dass ihr innerer Helfer ruhig und wohlwollend an ihrer Seite steht. Andere fragen sich zwischendurch:
„Was würde mein innerer Helfer jetzt sagen?“
Solche ressourcenorientierten Vorstellungen können dazu beitragen, den Zugang zu eigenen Stärken zu erleichtern und das Gefühl von Sicherheit und Stabilität zu fördern – besonders dann, wenn belastende Erinnerungen oder schwierige Gefühle bearbeitet werden. Gerade in der Trauma-Stabilisierung spielen innere Ressourcen und sichere innere Bilder häufig eine wichtige Rolle.
Eine kleine Übung für den Alltag
Nimm Dir zwei oder drei Minuten Zeit. Schließe die Augen und stelle Dir Deinen persönlichen inneren Helfer möglichst lebendig vor.
- Wie sieht sie oder er aus?
- Wie bewegt er oder sie sich?
- Wie klingt ihre oder seine Stimme?
- Welche Ausstrahlung hat er oder sie?
- Wie fühlst Du Dich in ihrer oder seiner Gegenwart?
Wenn Du möchtest, stelle ihm oder ihr anschließend eine Frage, die Dich gerade beschäftigt. Vielleicht erhältst Du sofort eine Antwort. Vielleicht entsteht einfach nur ein Gefühl von Ruhe oder Zuversicht, oder es zeigt sich ein Symbol. Alles kann wertvoll sein.
Je häufiger Du diese Übung wiederholst, desto leichter wird es vielen Menschen, den inneren Helfer auch in herausfordernden Situationen spontan zu aktivieren.
Fazit
Wir alle tragen weit mehr innere Ressourcen in uns, als uns im Alltag oft bewusst ist. Ein innerer Helfer macht diese Ressourcen leichter zugänglich. Er erinnert uns daran, dass wir nicht jeder schwierigen Situation hilflos ausgeliefert sind und dass wir häufig bereits über Erfahrungen, Fähigkeiten und innere Stärke verfügen, auf die wir zurückgreifen können.
Ob als „Taschentherapeut“, als weiser Begleiter, als schützendes Tier oder als spirituelle Kraftquelle – ein innerer Helfer kann zu einem verlässlichen Begleiter werden, der Dir jederzeit zur Seite steht.
Diese und andere wirkungsvolle Methoden zur Ressourcenaktivierung und Trauma-Stabilisierung lernst Du durch spannende Demonstrationen, leicht verständliche Erklärungen und professionell begleitetes Üben im EFT Klopfakupressur Modul 3 (EFT & Trauma).