Studie: Eine EFT-Pilotstudie mit fMRT wenn der Heißhunger nachlässt

Ein Stück Schokolade, knusprige Chips oder ein süßes Gebäck: Manchmal genügt bereits ein Bild, ein Geruch oder ein Gedanke, und plötzlich ist der Appetit da. Dabei geht es oft gar nicht um körperlichen Hunger. Vielmehr scheint das Gehirn auf bestimmte Nahrungsmittel zu reagieren, noch bevor wir bewusst entschieden haben, ob wir sie wirklich essen möchten.

Genau an diesem Punkt setzte eine australische Pilotstudie an. Ein Forscherteam um die Psychologin Peta Stapleton untersuchte, ob eine vierwöchige Anwendung der EFT-Klopfakupressur nicht nur das subjektiv empfundene Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln beeinflussen könnte, sondern ob sich gleichzeitig Veränderungen in der Reaktion des Gehirns auf Bilder kalorienreicher Speisen beobachten lassen.

Das Besondere an der Studie: Die Teilnehmer wurden vor und nach der Intervention mithilfe funktioneller Magnetresonanztomografie untersucht. Dadurch konnten die Forscher beobachten, welche Hirnregionen beim Anblick begehrter Lebensmittel besonders aktiv waren.

Die Ergebnisse liefern einen interessanten ersten Hinweis darauf, dass die Beschäftigung mit Heißhunger durch EFT möglicherweise mit veränderten Reaktionen auf Nahrungsreize einhergehen kann.

Wenn Essen im Kopf beginnt

Heißhunger unterscheidet sich vom normalen körperlichen Hunger. Körperlicher Hunger entwickelt sich meist allmählich und kann durch unterschiedliche Nahrungsmittel gestillt werden. Heißhunger richtet sich dagegen häufig sehr konkret auf ein bestimmtes Lebensmittel: Schokolade, Chips, Eis, Brot, Kuchen oder Fast Food.

Ein solches Verlangen kann durch viele Faktoren ausgelöst werden:

  • den Anblick oder Geruch eines Lebensmittels,
  • Stress und innere Anspannung,
  • Langeweile,
  • belastende Gefühle,
  • Gewohnheiten und erlernte Situationen,
  • Erinnerungen oder Erwartungen,
  • das Gefühl, sich etwas gönnen oder sich beruhigen zu wollen.

Das bedeutet nicht, dass Übergewicht allein durch Gefühle oder Heißhunger entsteht. Körpergewicht wird durch zahlreiche körperliche, psychische, soziale und umweltbezogene Faktoren beeinflusst. Die Studie untersuchte deshalb auch keine umfassende Behandlung von Übergewicht. Im Mittelpunkt stand eine wesentlich enger gefasste Frage: Verändert sich die Reaktion auf Bilder begehrter Lebensmittel nach einer vierwöchigen EFT-Intervention?

Wer nahm an der Studie teil?

An der Untersuchung beteiligten sich insgesamt 15 übergewichtige oder adipöse Erwachsene. Voraussetzung war ein Body-Mass-Index von mindestens 25. Personen, die zu diesem Zeitpunkt bereits medizinisch oder psychologisch wegen ihres Essverlangens behandelt wurden, konnten nicht teilnehmen.

Auch Menschen mit Diabetes oder Hypoglykämie wurden ausgeschlossen, weil diese Erkrankungen das Auftreten von Hunger und Essverlangen beeinflussen können. Da die Untersuchung in einem Magnetresonanztomografen stattfand, galten außerdem die üblichen Sicherheitsvoraussetzungen für eine MRT-Untersuchung.

Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt:

  • 10 Personen nahmen an der EFT-Intervention teil.
  • 5 Personen bildeten die unbehandelte Kontrollgruppe.

86 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Das Durchschnittsalter betrug in der EFT-Gruppe 48 Jahre und in der Kontrollgruppe 39 Jahre. Der durchschnittliche BMI lag bei 37 beziehungsweise 39 und damit in beiden Gruppen im Bereich der Adipositas. Schokolade war in der EFT-Gruppe das am häufigsten gewählte Lebensmittel, auf das sich das Verlangen richtete.

Wie wurde EFT angewendet?

Die EFT-Gruppe traf sich vier Wochen lang einmal wöchentlich zu einer zweistündigen Gruppensitzung. Insgesamt erhielten die Teilnehmer damit acht Stunden angeleitete EFT-Klopfakupressur. Die Sitzungen wurden von einem ausgebildeten EFT-Praktiker durchgeführt und orientierten sich nach Angaben der Autoren an einem standardisierten Clinical-EFT-Protokoll.

Während der Anwendung konzentrierten sich die Teilnehmer auf ihr konkretes Essverlangen. Sie benannten das jeweilige Problem, formulierten einen Einstimmungssatz und klopften anschließend nacheinander bestimmte Akupunkturpunkte.

Die Stärke des empfundenen Verlangens oder Unbehagens wurde auf einer Skala von 0 bis 10 eingeschätzt. Nach einer Klopfrunde wurde erneut geprüft, wie intensiv das Verlangen noch war. Anschließend wurde die Anwendung bei Bedarf wiederholt.

Die Teilnehmer arbeiteten in den Gruppensitzungen auch in direktem Kontakt mit den begehrten Lebensmitteln. Darüber hinaus wurden sie ermutigt, EFT zwischen den Treffen selbstständig anzuwenden, sobald ein Essverlangen auftrat oder sich ankündigte. Zur Erinnerung erhielten sie kurze Textnachrichten. Nach Angaben der Autoren nutzten viele Teilnehmer diese häusliche Anwendung allerdings nur wenig.

Die Kontrollgruppe erhielt während dieses Zeitraums keine entsprechende Behandlung.

Wie wurde das Essverlangen gemessen?

Zur Erfassung des Heißhungers verwendeten die Forscher das sogenannte Food Craving Inventory. Dieser Fragebogen erfasst das Verlangen nach verschiedenen Lebensmittelgruppen, darunter:

  • fettreiche Speisen,
  • Süßigkeiten,
  • kohlenhydrat- und stärkehaltige Lebensmittel,
  • fettreiches Fast Food.

Je höher der Gesamtwert, desto stärker war das berichtete Essverlangen.

Vor der Intervention lag der durchschnittliche Gesamtwert der EFT-Gruppe bei 101,1 Punkten. Nach den vier Wochen betrug er noch 67,3 Punkte. Das entspricht einer Abnahme um 33,8 Punkte.

In der Kontrollgruppe sank der Wert im selben Zeitraum von durchschnittlich 83,75 auf 73,25 Punkte – eine Abnahme um 10,5 Punkte.

Der Unterschied in der Entwicklung beider Gruppen war statistisch signifikant. Das bedeutet: Der stärkere Rückgang in der EFT-Gruppe war innerhalb dieser Stichprobe wahrscheinlich nicht allein durch zufällige Schwankungen zu erklären. citeturn275764view2

Die Autoren geben im Abstract zusätzlich an, das Essverlangen sei in der EFT-Gruppe um 18 Prozent und in der Kontrollgruppe um 5 Prozent zurückgegangen. Diese Prozentangaben lassen sich aus den in der Ergebnistabelle veröffentlichten Ausgangs- und Endwerten allerdings nicht unmittelbar nachvollziehen. Aussagekräftiger und überprüfbarer sind daher die angegebenen Punktwerte.

Was zeigte die Untersuchung im Gehirn?

Für die funktionelle Magnetresonanztomografie wurden den Teilnehmern Bilder von sechs kalorienreichen Lebensmitteln gezeigt. Sie sollten sich währenddessen vorstellen, die abgebildeten Speisen zu schmecken und zu essen.

Um das Verlangen möglichst deutlich hervorzurufen, fanden die Untersuchungen am Vormittag statt. Die Teilnehmer sollten zuvor nichts essen und außer Wasser nichts trinken. Zusätzlich sollten sie ungefähr 30 Minuten vor der Untersuchung ein koffeinhaltiges Getränk zu sich nehmen.

Zwischen den Bildern der Lebensmittel wurde ein neutrales Schachbrettmuster gezeigt. In dieser Zeit sollten sich die Teilnehmer entspannen.

Die funktionelle Magnetresonanztomografie misst die Aktivität von Nervenzellen nicht direkt. Sie erfasst Veränderungen der Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gehirns. Aus diesen sogenannten BOLD-Signalen wird auf Veränderungen der Aktivität bestimmter Hirnbereiche geschlossen.

Vor der Behandlung zeigten sich beim Betrachten der Lebensmittelbilder vor allem Reaktionen in zwei Bereichen:

  • im oberen Schläfenlappen, dem Superior Temporal Gyrus,
  • im seitlichen orbitofrontalen Kortex.

Der orbitofrontale Kortex ist unter anderem an der Verarbeitung von Belohnungswerten beteiligt. In diesem Bereich werden außerdem Informationen über Geruch und Geschmack miteinander verknüpft. Das ist besonders interessant, weil die Teilnehmer sich ausdrücklich vorstellen sollten, die gezeigten Lebensmittel zu essen.

Der Superior Temporal Gyrus wird mit verschiedenen Aufmerksamkeits-, Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozessen in Verbindung gebracht. Auch in anderen Untersuchungen reagierte dieser Bereich stärker auf Bilder von Lebensmitteln als auf neutrale Bilder.

Nach den vier EFT-Wochen beobachteten die Forscher bei den Teilnehmern der EFT-Gruppe eine relative Abnahme der Aktivierung in beiden Regionen. In der Kontrollgruppe blieb die Reaktion auf die Lebensmittelbilder dagegen bestehen.

Vereinfacht ausgedrückt: Nach der EFT-Intervention schien das Gehirn der behandelten Teilnehmer auf die gezeigten kalorienreichen Lebensmittel weniger stark anzusprechen als zuvor.

Das passt zu den gleichzeitig berichteten Veränderungen im Fragebogen. Die Teilnehmer gaben nicht nur ein geringeres Essverlangen an, sondern zeigten auch eine veränderte Reaktion auf die Lebensmittelbilder im fMRT.

Was könnte das für die EFT-Praxis bedeuten?

Viele Menschen erleben beim Klopfen auf Heißhunger, dass ein zunächst sehr attraktives Lebensmittel allmählich an Reiz verliert. Manchmal verändert sich der Geschmack, manchmal nimmt der innere Druck ab und manchmal entsteht erstmals das Gefühl, wirklich frei entscheiden zu können.

Die vorliegende Studie liefert eine mögliche neurobiologische Entsprechung zu solchen subjektiven Erfahrungen. Sie deutet darauf hin, dass die Veränderung des Verlangens nicht nur auf einer bewussten Entscheidung wie „Ich esse das jetzt nicht“ beruhen muss. Möglicherweise verändert sich gleichzeitig die automatische Reaktion auf den auslösenden Reiz.

Dabei ist ein wichtiger Unterschied zu beachten: Das Ziel sollte nicht darin bestehen, Essen grundsätzlich negativ zu bewerten oder Genuss zu unterdrücken. Ein hilfreicherer Ansatz kann darin liegen, den emotionalen oder automatisierten Druck zu reduzieren.

Dann wird aus dem Gefühl „Ich muss das jetzt essen“ möglicherweise eher die Wahl: „Ich könnte es essen – aber ich muss nicht.“ Gerade diese wiedergewonnene Entscheidungsfreiheit kann für viele Menschen bedeutsamer sein als das strenge Einhalten weiterer Ernährungsregeln.

Mögliche Klopfthemen bei Essverlangen

In der Praxis muss nicht ausschließlich auf das Lebensmittel selbst geklopft werden. Häufig lohnt es sich, genauer zu erkunden, was das Verlangen auslöst oder welche Funktion das Essen in diesem Moment erfüllen soll. Mögliche Einstiege könnten sein:

  • „Auch wenn ich dieses starke Verlangen nach Schokolade spüre, nehme ich wahr, was gerade in mir geschieht.“
  • „Auch wenn ein Teil von mir diese Chips unbedingt haben will, darf ich mir Zeit nehmen und erst einmal hineinspüren.“
  • „Auch wenn ich mich nach diesem anstrengenden Tag mit Essen beruhigen möchte, bin ich offen dafür, auch mein eigentliches Bedürfnis wahrzunehmen.“
  • „Auch wenn dieses Bild sofort Appetit in mir auslöst, darf mein Körper sich langsam entspannen.“

Hinter einem Essverlangen können beispielsweise Stress, Erschöpfung, Frustration, Einsamkeit, Belohnungsbedürfnisse oder früh erlernte Gewohnheiten stehen. EFT kann dabei helfen, diese Zusammenhänge neugierig und ohne Selbstverurteilung zu erkunden.

Bei starkem Kontrollverlust, wiederkehrenden Essanfällen, Erbrechen, ausgeprägtem Untergewicht oder anderen Hinweisen auf eine Essstörung sollte jedoch keine ausschließliche Selbstbehandlung erfolgen. Hier ist eine fachgerechte medizinische und psychotherapeutische Abklärung wichtig.

Ein spannender Blick hinter das subjektive Erleben

Die Untersuchung beantwortet noch nicht abschließend, wie EFT bei Essverlangen wirkt. Sie öffnet jedoch ein interessantes Fenster: Das, was viele Anwender als Nachlassen des inneren Zuges zu einem Lebensmittel erleben, könnte mit messbaren Veränderungen bei der Verarbeitung entsprechender Reize einhergehen.

Gerade bei emotional oder automatisch ausgelöstem Essen kann EFT deshalb als ergänzende Methode interessant sein. Nicht als Diät, nicht als Garantie für Gewichtsverlust und nicht als Ersatz für eine medizinische oder ernährungstherapeutische Behandlung – sondern als Möglichkeit, den inneren Druck genauer wahrzunehmen und einen bewussteren Umgang mit Essimpulsen zu unterstützen.

Die vielleicht wichtigste Botschaft der Studie lautet daher nicht, dass bestimmte Lebensmittel künftig vollkommen gleichgültig werden müssten. Vielmehr zeigt sie eine mögliche Richtung: Verlangen ist nicht zwangsläufig unveränderlich. Wenn sich die emotionale und körperliche Reaktion auf einen Reiz beruhigt, kann wieder mehr Raum für eine freie Entscheidung entstehen.

Quelle: Stapleton, P., Buchan, C., Mitchell, I., McGrath, Y., Gorton, P., & Carter, B. (2019). An initial investigation of neural changes in overweight adults with food cravings after Emotional Freedom Techniques. OBM Integrative and Complementary Medicine, 4(1), 010.

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Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.