Studie: Online-Klopfakupressur kann in Krisenzeiten emotional entlasten

Eine neue randomisierte Studie aus Japan zeigt, wie eine kurze Online-Intervention mit Thought Field Therapy (TFT) Menschen während der COVID-19-Pandemie emotional unterstützen konnte. TFT ist nicht identisch mit EFT, gehört aber wie EFT zu den klopfakupressur-basierten Methoden der Energy Psychology.

Was genau ist TFT?

Thought Field Therapy (TFT) wurde in den 1980er-Jahren von Roger Callahan entwickelt und gilt als die erste moderne Klopfakupressur-Methode überhaupt. Dabei werden belastende Gedanken oder Gefühle mit dem Beklopfen bestimmter Akupunkturpunkte kombiniert. Je nach Thema werden unterschiedliche Klopfsequenzen verwendet.

Die ursprüngliche TFT-Arbeit nach Dr. Roger Callahan bestand typischerweise aus mehreren Elementen:

  1. Das Problem wird möglichst konkret aktiviert
    • belastende Erinnerung
    • aktuelle Angst oder Sorge
    • belastender Gedanke
    • innere Vorstellung einer Situation
  2. Die Belastung wird eingeschätzt
    • häufig mit einer subjektiven Skala (ähnlich der später in EFT verwendeten SUD-Skala von 0 bis 10)
  3. Kinesiologische Testung
    • mittels Muskeltest sollte ermittelt werden, welche Klopfsequenz („Algorithmus“) für das jeweilige Problem geeignet ist
    • der Muskeltest spielte im ursprünglichen TFT eine zentrale diagnostische Rolle
  4. Aufmerksamkeit auf das Problem richten
    • die belastende Situation, Erinnerung oder Vorstellung bleibt während der Arbeit im Fokus
    • dadurch enthält TFT Elemente, die an Expositions- und Konfrontationsverfahren erinnern
  5. Beklopfen bestimmter Akupunkturpunkte
    • je nach Ergebnis der kinesiologischen Testung wurden unterschiedliche Punktfolgen verwendet
    • diese problemabhängigen Sequenzen bezeichnete Callahan als „Algorithmen“
  6. Erneute Überprüfung
    • die Belastung wird erneut eingeschätzt
    • verbleibende Aspekte werden identifiziert
    • gegebenenfalls erfolgt eine weitere Testung und Klopfrunde
  7. Nachbearbeitung weiterer Aspekte
    • auftauchende Erinnerungen, Gedanken oder Gefühle werden ebenfalls bearbeitet
    • der Prozess wird fortgesetzt, bis die ursprüngliche Belastung deutlich zurückgegangen ist

Damit ähnelt der Ablauf in einigen Punkten einer klassischen Verhaltenstherapie: Aktivierung des Problems, Exposition, Bewertung der Belastung und Überprüfung der Veränderung. Das Klopfen kommt als zusätzlicher Baustein hinzu.

Aus TFT entwickelte Gary Craig in den 1990er-Jahren die heute weit verbreitete Methode EFT (Emotional Freedom Techniques). EFT vereinfachte das ursprüngliche TFT-System erheblich und verwendet in der Regel eine einheitliche Klopfsequenz für unterschiedliche Themen. Daher werden TFT, EFT und über 60 weitere Techniken heute oft gemeinsam der sogenannten „Energy Psychology“ beziehungsweise den Klopfakupressur-Verfahren zugeordnet.

Was wurde in der Studie untersucht?

Die Forscher um Ayame Morikawa teilten 99 Teilnehmer zufällig in eine TFT-Gruppe und eine Wartelisten-Gruppe ein. Erfasst wurden unter anderem subjektive Belastungswerte und Reaktionen auf Stress. 88 Personen schlossen die TFT-Intervention ab.

Die Teilnehmer arbeiteten online mit einer kurzen TFT-Anwendung. Dabei wurden belastende Themen fokussiert und bestimmte Akupunkturpunkte beklopft. Zusätzlich wurden die subjektiven Belastungswerte vor und nach der Anwendung erfasst.

Die wichtigsten Ergebnisse

Die subjektive Belastung sank deutlich: Über 248 bearbeitete Themen hinweg ging der durchschnittliche SUDS-Wert von 7 auf 1,5 zurück. Auch bei allgemeinen Stressreaktionen zeigten sich signifikante Verbesserungen. Die Effekte waren nicht nur unmittelbar messbar, sondern blieben im Follow-up über zwei bis sechs Wochen erhalten.

Warum ist das interessant?

Die Studie ist besonders spannend, weil die Intervention online durchgeführt wurde. Gerade in Krisenzeiten, bei eingeschränkter Mobilität oder fehlendem Zugang zu Präsenzangeboten können einfache, gut angeleitete Selbsthilfe-Methoden eine wichtige Ergänzung sein.

Die Studie zeigt: Klopfakupressur-Verfahren werden zunehmend wissenschaftlich untersucht – auch in digitalen Formaten und unter realen Belastungsbedingungen.

Fazit

Diese Studie liefert ermutigende Hinweise darauf, dass eine kurze Online-Klopfintervention Menschen dabei unterstützen kann, emotional zur Ruhe zu kommen und subjektive Belastung zu reduzieren. Sie ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, kann aber als niedrigschwellige komplementäre Selbsthilfe-Methode interessant sein.

Quelle: Morikawa, A., Fujimoto, M., Kawagishi, Y., & Fukagawa, T. (2025). Thought Field Therapy intervention to improve mental health during the COVID-19 pandemic: A randomized controlled trial. EXPLORE, 21(2), 103117.

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Wichtig: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (TFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.