
Kann Klopfakupressur nicht nur das emotionale Erleben, sondern auch messbare körperliche Stressmarker beeinflussen? Genau dieser Frage ging eine Studie aus dem Jahr 2019 nach. Untersucht wurde „Clinical EFT“, also eine strukturierte Form der Emotional Freedom Techniques, in mehreren mehrtägigen EFT-Workshops.
Das Spannende an dieser Studie: Es ging nicht nur darum, ob sich Teilnehmer nach dem Klopfen subjektiv besser fühlten. Zusätzlich wurden bei einer kleineren Gruppe auch körperliche Marker gemessen: Ruhepuls, Blutdruck, Cortisol, Speichel-Immunglobulin A, Herzratenvariabilität und Herzkohärenz.
Was wurde untersucht?
An der Studie nahmen insgesamt 203 Personen teil, die an sechs Clinical-EFT-Workshops teilnahmen. Die Workshops wurden von zertifizierten EFT-Trainern durchgeführt und enthielten Demonstrationen, Übungseinheiten, Feedback und gegenseitiges Üben.
Bei allen Teilnehmern wurden psychologische Werte vor und nach dem Workshop erfasst, unter anderem Angst, Depression, posttraumatische Belastung, Schmerz, Verlangen nach Schokolade und Glücksempfinden. Bei einer kleineren Untergruppe von 31 Personen wurden zusätzlich physiologische Werte gemessen.
Die wichtigsten Ergebnisse
Nach dem EFT-Workshop zeigten sich deutliche Veränderungen:
- Angstwerte sanken im Durchschnitt um etwa 40 Prozent.
- Depressionswerte sanken um etwa 43 Prozent.
- Werte für posttraumatische Belastung sanken um etwa 30 Prozent.
- Schmerzwerte sanken um etwa 60 Prozent.
- Das Verlangen nach Schokolade sank um etwa 72 Prozent.
- Das Glücksempfinden stieg um etwa 19 Prozent.
Besonders interessant sind die körperlichen Messwerte der kleineren Untersuchungsgruppe. Dort zeigte sich nach dem Workshop:
- Der Ruhepuls sank im Durchschnitt um knapp 8 Prozent.
- Der systolische Blutdruck sank um knapp 6 Prozent.
- Der diastolische Blutdruck sank um knapp 9 Prozent.
- Der Cortisolwert sank deutlich.
- Das Speichel-Immunglobulin A stieg an.
Cortisol wird häufig als Stresshormon bezeichnet. Speichel-Immunglobulin A ist ein Marker, der mit der Immunabwehr der Schleimhäute in Verbindung steht. Das bedeutet nicht, dass EFT Krankheiten heilt oder medizinische Behandlung ersetzt. Es zeigt aber, dass emotionale Selbstregulation offenbar mit messbaren körperlichen Stress- und Regulationsprozessen zusammenhängen kann.
Warum ist das interessant?
Viele Menschen erleben beim Klopfen, dass sich innere Anspannung, Druck, Grübeln oder emotionale Ladung verändern können. Diese Studie ist deshalb interessant, weil sie nahelegt: Das subjektive Erleben steht möglicherweise nicht allein. Veränderungen können sich auch in körperlichen Stressmarkern zeigen.
Gerade für EFT-Interessenten und professionelle Anwender ist das wichtig. EFT wird oft als einfache Selbsthilfemethode erlebt. Wissenschaftlich betrachtet ist aber besonders spannend, dass hier mehrere Ebenen gleichzeitig berührt werden: Aufmerksamkeit, emotionale Aktivierung, Körperwahrnehmung, Akupressurpunkte, Selbstakzeptanz und Wiederholung.
Die Methode wirkt also nicht nur „über Denken“ und nicht nur „über Entspannung“, sondern verbindet kognitive, emotionale und körperorientierte Elemente.
Die Studie beweist zwar nicht, dass EFT allein für alle Veränderungen verantwortlich war. Außerdem wurden die physiologischen Werte nur bei 31 Personen erhoben. Trotzdem bleibt die Studie bemerkenswert. Sie zeigt nicht nur kurzfristige Verbesserungen in emotionalen Belastungswerten, sondern auch Hinweise auf Veränderungen in Stressphysiologie, Herz-Kreislauf-Markern und Immunmarkern.
Was bedeutet das praktisch?
Für die Praxis bestätigt diese Studie eine Erfahrung, die viele EFT-Anwender kennen: Wenn emotionale Belastung spürbar nachlässt, verändert sich oft auch das Körpergefühl. Der Atem wird ruhiger. Der Brustkorb fühlt sich weiter an. Der Druck im Kopf lässt nach. Der Körper kommt aus Alarmbereitschaft eher in Regulation.
Für Selbstanwender kann das motivierend sein: Klopfen muss nicht perfekt sein, um als emotionale Selbsthilfe hilfreich erlebt zu werden.
Fazit
Diese Studie macht Mut. Sie zeigt, dass EFT/Klopfakupressur nicht nur auf der Ebene subjektiver Gefühle interessant ist, sondern möglicherweise auch messbare körperliche Regulationsprozesse unterstützt. Emotionale Selbstregulation ist nicht „nur psychisch“. Sie ist immer auch körperlich. Und genau an dieser Schnittstelle scheint Klopfakupressur besonders interessant zu sein.
Quelle: Bach, D., Groesbeck, G., Stapleton, P., Sims, R., Blickheuser, K., & Church, D. (2019). Clinical EFT (Emotional Freedom Techniques) Improves Multiple Physiological Markers of Health. Journal of Evidence-Based Integrative Medicine, 24, 2515690X18823691.
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Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.