Tipp der Woche: Der innere sichere Ort – ein Kraftplatz, den Du immer bei Dir hast

Manchmal wünschen wir uns einen Ort, an dem wir einfach zur Ruhe kommen können. Einen Platz ohne Anforderungen, ohne Druck, ohne die ständigen Reize des Alltags. Die gute Nachricht: Einen solchen Ort musst Du nicht unbedingt suchen. Du kannst ihn erschaffen – in Deiner eigenen Vorstellung.

Der sogenannte „innere sichere Ort“ gehört zu den bekanntesten Stabilisierungsübungen in der Trauma-Arbeit und wird unter anderem in der Psychodynamisch-Imaginativen Traumatherapie (PITT) nach Luise Reddemann eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine einfache Imaginationsübung, die Menschen dabei unterstützen kann, innere Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit zu erleben.

Warum innere Bilder so kraftvoll sein können

Unser Gehirn unterscheidet nicht immer strikt zwischen realen Erfahrungen und lebendig vorgestellten Bildern. Deshalb können angenehme innere Vorstellungen oft spürbare körperliche Reaktionen auslösen – beispielsweise Entspannung, Ruhe oder ein Gefühl von Sicherheit. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass mentale Bilder teilweise ähnliche Aktivierungsmuster hervorrufen können wie tatsächliche Wahrnehmungen.

Genau hier setzt der innere sichere Ort an.

Statt Dich auf Belastendes zu konzentrieren, richtest Du Deine Aufmerksamkeit bewusst auf einen Ort, an dem alles gut ist. Einen Ort, an dem Du Dich willkommen, geschützt und geborgen fühlst.

Wie sieht ein innerer sicherer Ort aus?

Das entscheidest allein Du!

Für manche Menschen ist es ein sonniger Strand. Andere sitzen lieber auf einer Waldlichtung, in einer Berghütte, an einem See oder auf einer Blumenwiese. Wieder andere erschaffen einen vollkommen fantasievollen Ort – vielleicht ein Baumhaus, eine Insel, einen geheimen Garten oder sogar einen anderen Planeten.

Es gibt dabei kein Richtig und kein Falsch. Wichtig ist nur eine Frage:

Fühlst Du Dich dort sicher und wohl?

Falls nicht, darfst Du alles verändern. Vielleicht braucht Dein Ort eine schützende Mauer. Vielleicht eine warme Decke, einen Kamin oder freundliche Tiere. Vielleicht möchtest Du dort allein sein. Vielleicht gibt es hilfreiche Wesen oder vertraute Menschen, die Dich begleiten. Alles ist erlaubt, solange es sich für Dich gut anfühlt.

Eine kleine Übung

Nimm Dir einige Minuten Zeit und mache es Dir bequem. Schließe die Augen und stelle Dir vor, dass vor Deinem inneren Auge langsam ein Ort entsteht. Betrachte ihn möglichst genau:

  • Was siehst Du?
  • Welche Farben gibt es?
  • Welche Geräusche hörst Du?
  • Gibt es angenehme Düfte?
  • Wie fühlt sich die Luft auf Deiner Haut an?
  • Ist es warm oder kühl?
  • Gibt es etwas, das Dir besonders gut gefällt?

Je mehr Sinne Du einbeziehst, desto lebendiger wird die Erfahrung. Viele Menschen berichten, dass der Ort mit jeder Übung detaillierter und vertrauter wird.

Ein Ort zum Auftanken

Der besondere Vorteil dieses inneren Kraftplatzes:

  • Du kannst ihn jederzeit besuchen.
  • Vor einem schwierigen Gespräch.
  • Nach einem anstrengenden Arbeitstag.
  • Während einer Pause.
  • Oder einfach abends vor dem Einschlafen.

Je häufiger Du Deinen sicheren Ort aufsuchst, desto leichter wird es meist, ihn wiederzufinden. Viele Menschen erleben ihn nach einiger Übung wie einen vertrauten inneren Rückzugsraum, der unabhängig von äußeren Umständen verfügbar ist.

Wenn es anfangs nicht klappt

Manche Menschen können sofort lebendige Bilder erzeugen. Andere sehen kaum etwas vor ihrem inneren Auge. Beides ist völlig in Ordnung. Der innere sichere Ort muss nicht perfekt sein. Manche Menschen erleben ihn eher als Gefühl, andere als Körperempfindung, wieder andere als innere Geschichte oder Stimmung.

Wichtig ist nicht, wie deutlich Du ihn wahrnimmst. Wichtig ist, ob er Dir guttut. Mit etwas Geduld entwickelt sich der Ort oft ganz von selbst weiter.

Der innere sichere Ort und EFT

Auch in der EFT-Klopfakupressur kann ein innerer sicherer Ort sehr wertvoll sein. Viele erfahrene Anwender nutzen ihn als Ressource vor, während oder nach belastenden Themen. Er kann helfen, die Aufmerksamkeit immer wieder auf Sicherheit, Stabilität und Selbstfürsorge auszurichten.

Gerade deshalb gehört die Arbeit mit Ressourcen und stabilisierenden Techniken zu den wichtigsten Grundlagen jeder verantwortungsvollen Begleitung.

Fazit

Der innere sichere Ort ist erstaunlich einfach und gleichzeitig oft erstaunlich wirksam. Er kostet nichts, ist jederzeit verfügbar und kann zu einem persönlichen Rückzugsraum werden, den Du immer bei Dir trägst. Vielleicht entsteht heute noch kein perfektes Bild. Das muss auch gar nicht sein.

Beginne einfach damit, Deinen Ort zu besuchen. Und wer weiß – vielleicht wird er schon bald zu einem vertrauten Platz, an dem Du neue Kraft sammeln und für einige Minuten einfach nur sein kannst.

Diese und viele weitere Techniken zur Stabilisierung, Ressourcenaktivierung und emotionalen Selbsthilfe lernst Du durch spannende Demonstrationen, eingängige Erklärungen und professionell begleitetes Üben im EFT Klopfakupressur Modul 3 „Trauma, Krisenintervention und Stabilisierung“.