Studie: Wenn EFT bei Trauma ins Stocken gerät – der Trauma Reintegration Process

Manchmal zeigt sich in der Traumaarbeit ein bekanntes Phänomen: Ein Mensch spricht über ein belastendes Ereignis, aber ein Teil des Erlebens wirkt wie „abgespalten“. Genau hier setzt die Fallserie von Mary T. Sise an.

Was wurde untersucht?

Die Autorin beschreibt zwei Behandlungsfälle, in denen EFT mit dem von ihr entwickelten Trauma Reintegration Process (TRP) kombiniert wurde. Beide Personen hatten nach schweren Autounfällen belastende Trauma-Folgen; eine Patientin hatte zusätzlich eine umfangreiche frühere Belastungsgeschichte. Die Studie ist ausdrücklich keine randomisierte Studie, sondern eine Fallserie ohne standardisierte Vorher-Nachher-Messungen.

Was ist TRP?

TRP ergänzt EFT durch eine geführte innere Annäherung an den „abgetrennt“ erlebten Anteil im Trauma. Die zentrale Frage lautet etwa: „Wo siehst Du Dich in dieser Erinnerung?“ Wenn sich jemand außerhalb der Szene, über dem Geschehen oder wie getrennt vom eigenen Körper erlebt, wird dies als Hinweis auf Dissoziation verstanden.

Dann wird nicht einfach weiter „durch das Trauma gearbeitet“. Stattdessen wird mit EFT stabilisiert, Schritt für Schritt angenähert und erst dann innerlich wieder Verbindung hergestellt – vorsichtig, körperorientiert und mit ständiger Beobachtung der Belastung.

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Was zeigte sich in den Fällen?

In beiden Fällen kam die EFT-Arbeit zunächst an einen Punkt, an dem sie nicht weiterging. Nach Einbeziehung von TRP berichtete die Autorin über deutliche Verbesserungen: weniger belastende Wiedererlebensphänomene, mehr Gegenwartsorientierung und bei einer Patientin auch eine spürbare Verbesserung körperlicher Funktionsfähigkeit.

Wichtig ist: Das sind Fallberichte. Sie zeigen Möglichkeiten, aber beweisen keine allgemeine Wirksamkeit. Besonders seriös ist deshalb, dass die Studie selbst die Grenzen benennt: keine Kontrollgruppe, nur zwei Fälle, keine standardisierten Messungen.

Bedeutung für EFT und Klopfakupressur

Für EFT-Anwender und Profis ist diese Studie trotzdem interessant. Sie erinnert daran, dass Trauma-Arbeit nicht nur Technik ist. Entscheidend sind Stabilisierung, Tempo, Beziehung, Körperwahrnehmung und die Fähigkeit, Dissoziation zu erkennen.

Gerade bei komplexen Belastungsgeschichten sollte EFT nicht als „schnelle Lösung“ verstanden werden, sondern als mögliche körperorientierte Ergänzung innerhalb eines sicheren, professionellen Rahmens.

Fazit

Die Studie macht Mut, ohne zu übertreiben: EFT kann in der Traumaarbeit eine wertvolle Rolle spielen – besonders dann, wenn es behutsam, stabilisierend und mit klarem Blick auf Dissoziation eingesetzt wird. Für die Forschung braucht es nun größere, methodisch stärkere Studien.

Quelle: Sise, M. T. (2025). Using the trauma reintegration process to treat posttraumatic stress disorder with dissociation and somatic features: A case series. Healthcare, 13(10), 1092.

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Was genau ist TRP?

TRP (Trauma Reintegration Process) ist keine eigenständige Klopftechnik mit eigenen Klopfpunkten, sondern ein von Mary T. Sise entwickelter therapeutischer Prozess, der EFT ergänzt. Sein Hauptziel ist die Arbeit mit Dissoziation – also Situationen, in denen ein Mensch während einer traumatischen Erinnerung nicht mehr vollständig mit dem Erleben verbunden ist.

Interessanterweise erinnert TRP an einige Konzepte aus der Ego-State-Arbeit, dem Internal Family Systems (IFS), dem NLP-Reimprinting und teilweise auch an die Imagery Rescripting Verfahren – kombiniert mit EFT-Klopfen. Allerdings beschreibt Sise es als eigenständiges Vorgehen.

Woran erkennt TRP eine Dissoziation?

Nach Sise kann sich Dissoziation unter anderem zeigen, wenn jemand:

  • sich selbst außerhalb der Szene sieht
  • von oben auf die Situation blickt
  • sich wie betäubt oder abgeschnitten fühlt
  • nur Teile der Erinnerung wahrnimmt
  • keinen Zugang zu Gefühlen oder Körperempfindungen hat

Dann kommt die klassische EFT-Arbeit häufig nicht mehr richtig voran. Genau das war in beiden beschriebenen Fällen der Auslöser für den Einsatz von TRP.

Wie läuft TRP grundsätzlich ab?

Der Ablauf besteht vereinfacht aus mehreren Schritten:

1. Die Szene lokalisieren

Der Klient wird gebeten, die belastende Erinnerung wahrzunehmen. Dann folgt eine Frage wie: „Wo befindest Du Dich in dieser Erinnerung?“

Manchmal lautet die Antwort:

  • „Ich stehe neben mir.“
  • „Ich schwebe über dem Unfall.“
  • „Ich sehe alles wie auf einer Leinwand.“

Das wird als Hinweis verstanden, dass ein Teil des Erlebens abgespalten wurde.

2. Kontakt zum abgespaltenen Anteil herstellen

Anstatt sofort in die Erinnerung hineinzugehen, wird zunächst die Perspektive des beobachtenden Teils erkundet:

  • Was sieht dieser Teil?
  • Was fühlt er?
  • Warum hält er Abstand?

Dabei wird meist bereits geklopft.

3. Geführte Imagination

Nun beginnt der eigentliche TRP-Anteil. Der Klient stellt sich vor, sich dem abgespaltenen Teil vorsichtig anzunähern. Typische Fragen sind:

  • Was braucht dieser Teil?
  • Was würde ihm helfen?
  • Möchtest Du ihm etwas sagen?

Es wird nichts erzwungen. Der Prozess erfolgt schrittweise und ressourcenorientiert.

4. Reintegration

Wenn ausreichend Sicherheit entstanden ist, wird der abgespaltene Anteil eingeladen, wieder Teil des heutigen Selbst zu werden. Das geschieht meist in einer Imaginationsübung:

  • den jüngeren Anteil in den Arm nehmen
  • ihn begleiten
  • ihn ins eigene Herz aufnehmen
  • ihn mit dem heutigen Selbst verschmelzen lassen

Währenddessen wird weiter EFT geklopft.

5. Danach erst die eigentliche Trauma-Bearbeitung

Nach der Reintegration konnte in den beschriebenen Fällen die EFT-Arbeit wieder fortgesetzt werden. Die Erinnerung war nun zugänglicher und weniger fragmentiert. Erst dann wurden weitere Aspekte des Traumas bearbeitet.

Was fällt einem erfahrenen EFT-Anwender auf?

Beim Lesen der Studie hatte ich mehrfach den Eindruck: TRP wirkt weniger wie eine völlig neue Technik, sondern eher wie eine strukturierte Kombination aus:

  • EFT
  • Ego-State-Arbeit
  • Inneres-Kind-Arbeit
  • Imagination
  • Ressourcenarbeit
  • vorsichtiger Trauma-Integration

Neu ist vor allem die sehr gezielte Anwendung auf Dissoziation während der EFT-Arbeit.

Und wo unterscheidet sich das von Gary Craigs EFT?

Gary Craig arbeitete häufig direkt mit:

  • Filmtechnik
  • Tell-the-Story-Technik
  • Chasing the Pain
  • persönlichen Aspekten

TRP fügt davor eine zusätzliche Ebene ein: Wenn ein Teil des Selbst gar nicht vollständig in der Szene präsent ist, wird zunächst dieser abgespaltene Anteil angesprochen und integriert. Erst danach wird die eigentliche Erinnerung weiter bearbeitet. Für jemanden mit Deiner Trauma-Stabilisierungs-Erfahrung dürfte vieles davon vertraut wirken. Das wirklich Interessante an der Studie ist weniger eine neue Klopftechnik als die systematische Beobachtung:

Wenn EFT bei einem Trauma scheinbar „nicht mehr weiterkommt“, könnte Dissoziation eine Rolle spielen – und genau dort setzt TRP an.

Wichtig: Die hier vorgestellten Methoden der Klopfakupressur (EFT und TRP) verstehen sich als komplementäre Maßnahmen zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzen keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.