Studie: Kann EFT pflegende Angehörige entlasten nachhaltig stärken?

Wer einen nahestehenden Menschen über längere Zeit begleitet, trägt oft viel Verantwortung – und merkt manchmal erst spät, wie sehr das an den eigenen Kräften zehrt. Genau hier setzt eine neue Dissertation von Shannon R. Horton-Garcia an: Sie untersucht, ob EFT / Klopfakupressur pflegenden Angehörigen helfen kann, besser mit ihrer Belastung umzugehen und ihr Wohlbefinden zu stärken.

Im Mittelpunkt standen nicht professionelle Pflegekräfte, sondern erwachsene Frauen, die Angehörige mit chronischer Erkrankung sowie mit Alzheimer oder Demenz betreuten. Die Studie wurde im Südwesten von Arizona durchgeführt und als quantitative präexperimentelle Pretest-Posttest-Untersuchung angelegt. Insgesamt nahmen 17 Personen teil, die über drei Pflegeorganisationen gewonnen wurden.

Der Ablauf war überschaubar und alltagsnah

Zunächst erhielten die Teilnehmerinnen einen Unterricht in EFT. Vor dem Kurs wurden drei Bereiche erfasst: Pflegebelastung, Wohlbefinden und Bewältigungsressourcen. Direkt nach dem Kurs wurde ein Teil der Bewältigungsressourcen erneut gemessen. Danach übten die Teilnehmerinnen EFT sieben Tage lang selbstständig weiter und füllten anschließend alle Fragebögen noch einmal aus. Verwendet wurden dabei das Zarit Burden Interview, die Friedman Well-Being Scale und das Coping Resources Inventory.

Das Ergebnis ist durchaus spannend

Beim subjektiven Wohlbefinden zeigte sich ein statistisch signifikanter Anstieg. Der Mittelwert stieg von 62,30 auf 76,53 Punkte – das entspricht laut Zusammenfassung einem Plus von 23 Prozent. Auch die empfundene Pflegebelastung ging deutlich zurück: Die Zarit-Werte sanken von 48,76 auf 36,59, was in der Arbeit als Rückgang um 25 Prozent beschrieben wird.

Besonders ehrlich ist aber auch der dritte Befund: Bei den Bewältigungsressourcen zeigte sich in der statistischen Auswertung kein signifikanter EFT-Effekt. Die Autorin berichtet hier für die Varianzanalyse F(2, 32) = 1,04 bei p = .36. Das heißt: Nicht alles wurde besser, und nicht jede gemessene Veränderung war in dieser kleinen Untersuchung eindeutig nachweisbar. Gerade das macht die Arbeit glaubwürdig interessant – sie zeigt kein Wundermärchen, sondern ein erstes differenziertes Signal.

Was das für die Praxis heißt

Diese Dissertation liefert einen motivierenden Hinweis darauf, dass EFT für pflegende Angehörige ein einfaches Selbsthilfe-Werkzeug sein könnte, um das eigene Wohlbefinden zu unterstützen und die subjektiv empfundene Last etwas zu verringern. Gleichzeitig bleibt die Studie eine frühe Vorarbeit: kleines Sample, nur 17 Teilnehmerinnen, keine randomisierte Kontrollgruppe und ein sehr kurzer Übungszeitraum von sieben Tagen. Deshalb spricht sie eher für Potenzial als für einen endgültigen Beweis. Genau so formuliert es im Kern auch die Autorin, wenn sie weitere Forschung zur Wirksamkeit von EFT begründet.

Gerade darin liegt aber ein schöner Impuls für Interessierte, Anwender und Profis der Klopfakupressur: Manchmal sind es nicht große Versprechen, sondern kleine, praktikable Schritte, die Hoffnung machen. Wenn schon eine kurze Einführung plus eine Woche Selbstanwendung mit spürbaren Veränderungen beim Wohlbefinden und bei der erlebten Belastung verbunden war, dann ist das zumindest ein ernstzunehmender Anlass, diesem Ansatz weiter Aufmerksamkeit zu schenken.

Quelle: Horton-Garcia, S. R. (2025). Improving Caregiver Coping Resources, Reducing Burden, and Promoting Well-Being: Emotional Freedom Technique. Doctoral dissertation, Grand Canyon University.

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Wichtig: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.