
Stand der Evidenz, offene Fragen und nächste Schritte
Wie belastbar ist die wissenschaftliche Grundlage von EFT? Diese Frage steht im Zentrum der aktuellen Evidenz-Übersicht von Sebastian Salicru (2025). Anders als Einzelstudien, die nur eine bestimmte Zielgruppe untersuchen, versucht diese Arbeit, den gesamten Forschungsstand zu Clinical EFT in der psychischen Gesundheitsversorgung kritisch zu bewerten.
Ziel der Veröffentlichung
Die Arbeit verfolgt drei Kernziele:
- Den aktuellen Evidenzstand systematisch zusammenzufassen
- bestehende methodische Schwächen klar zu benennen
- konkrete Empfehlungen für zukünftige Forschung abzuleiten
Es handelt sich nicht um eine neue Interventionsstudie, sondern um eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit.
Methodisches Vorgehen
Recherchiert wurde in etablierten Datenbanken (u. a. PubMed, PsycINFO, Google Scholar). Es wurden klare Ein- und Ausschlusskriterien definiert:
- Fokus ausschließlich auf Clinical EFT
- Ausschluss verwandter Verfahren (z. B. TFT oder „Spiritual EFT“)
- keine Grauliteratur
- nur wissenschaftlich publizierte Arbeiten
Aus zunächst 680 Treffern blieben nach Entfernung von Dubletten und Qualitätsprüfung 31 Publikationen aus den Jahren 2009 – 2025 übrig.
Bereits hier wird deutlich: Die Studienlage wächst.
Was zeigt die Evidenz laut Review?
1. Zunehmende Anzahl kontrollierter Studien
Der Autor beschreibt eine wachsende Zahl randomisierter und kontrollierter Untersuchungen. Viele berichten statistisch signifikante Verbesserungen bei verschiedenen psychischen Belastungen.
Wichtig: Die Übersicht selbst bewertet die Gesamtlage – sie führt keine neue Metaanalyse mit eigener Effektstärkenberechnung durch.
2. Einordnung als „Mind–Body“-Verfahren
EFT wird im Artikel als integrativer Ansatz beschrieben, der Elemente von:
- Exposition
- kognitiver Verarbeitung
- somatischer Stimulation (Klopfen spezifischer Punkte)
kombiniert.
Die theoretische Diskussion zur Wirkweise bleibt jedoch offen. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass die Mechanismen weiter erforscht werden müssen.
3. Methodische Kritikpunkte
Ein zentrales Anliegen der Arbeit ist die kritische Reflexion.
Genannt werden unter anderem:
- kleine Stichprobengrößen in einzelnen Studien
- Reliabilität von Selbstberichtsdaten
- mögliche Publikationsverzerrung
- teilweise heterogene Studiendesigns
- unterschiedliche Kontrollbedingungen
Der Autor betont ausdrücklich, dass diese Punkte ernst genommen werden müssen, um die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit weiter zu stärken.
4. Keine vorschnellen Schlussfolgerungen
Ein wichtiger Aspekt der Arbeit ist ihre wissenschaftliche Zurückhaltung.
Obwohl positive Befunde beschrieben werden, warnt der Autor vor definitiven Aussagen im Sinne eines abgeschlossenen Evidenznachweises. Die Forschung sei vielversprechend, aber nicht abgeschlossen.
Konkrete Empfehlungen für zukünftige Forschung
Salicru formuliert mehrere klare Entwicklungslinien:
- größere, unabhängige randomisierte Studien
- verbesserte methodische Standards
- stärkere theoretische Integration
- Mixed-Methods-Ansätze (quantitativ + qualitativ)
- stärkere internationale Forschungskooperation
Ziel sei es, sowohl Wirksamkeit als auch Wirkmechanismen differenzierter zu verstehen.
Bedeutung für Anwender und Ausbilder
Für Anwender bedeutet diese Übersicht:
- EFT wird zunehmend wissenschaftlich untersucht.
- Es gibt eine wachsende Datenbasis.
- Gleichzeitig sind methodische Grenzen offen zu benennen.
Gerade in der Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit ist eine sachliche Kommunikation entscheidend. Wissenschaftliche Entwicklung ist ein Prozess – kein Endpunkt.
Die Arbeit unterstützt damit eine professionelle Haltung: offen für positive Befunde, kritisch gegenüber Übertreibungen.
Quelle: Salicru, S. (2025). Emotional freedom techniques in mental health care: Evidence review, gaps, and future directions. Academia Mental Health and Well-Being, 2(2).
Weitere wissenschaftliche Studien…
Wichtig: Die hier vorgestellte Methode der Klopfakupressur (EFT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.