
EFT ist aus dem ursprünglichen Thought Field Therapy-Ansatz (TFT) hervorgegangen und wurde bewusst vereinfacht. Während im TFT kinesiologische Muskeltests ein fester Bestandteil sind, wurde im EFT auf diese Tests verzichtet, um die Methode leichter erlernbar und alltagstauglicher zu machen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass kinesiologische Prinzipien im EFT keine Rolle mehr spielen dürfen. Im Gegenteil: Auch im EFT kann kinesiologisches Testen eine wertvolle Unterstützung sein – insbesondere dann, wenn es darum geht, noch ungelöste Aspekte, innere Widerstände oder blockierende Glaubenssätze aufzuspüren.
Mit Hilfe einfacher kinesiologischer Selbsttests kannst Du Hinweise darauf bekommen,
- ob ein Thema aktuell wirklich „dran“ ist,
- ob noch weitere Aspekte berücksichtigt werden sollten oder
- ob innere Einwände eine gewünschte Veränderung erschweren.
Als Fremdtest gilt der sogenannte O-Ring-Test als gut erforscht. Für die Selbstanwendung eignet sich jedoch besonders der Armlängen-Differenztest, da er ohne Hilfsperson durchgeführt werden kann und sich gut in eine EFT-Sitzung integrieren lässt.
Kinesiologischer Selbsttest – der Armlängen-Differenztest
Es gibt verschiedene Formen kinesiologischer Selbsttests, zum Beispiel den Daumen-Zeigefinger-Ring, Fingerdrucktests, Beindrucktests, Pendeltests oder Tests mit einem Gymnastikband. Der Armlängen-Differenztest zeichnet sich dadurch aus, dass er klar, körperlich spürbar und vergleichsweise leicht zu erlernen ist.
Er reagiert nicht auf bewusste Anstrengung, sondern auf unwillkürliche Spannungsänderungen, die im Körper auftreten können, wenn eine Aussage innerlich stimmig ist – oder eben nicht.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Die richtige Sitzposition
Setz Dich locker auf die vordere Kante eines Stuhls. Die Füße stehen stabil auf dem Boden, die Beine sind leicht gespreizt. Beuge Dich entspannt ein wenig nach vorn und lass Deine Arme locker nach unten hängen. Schultern und Nacken bleiben bewusst entspannt.
Die Handflächen hängen locker zueinander, ohne Druck oder Spannung. Je entspannter Deine Haltung ist, desto zuverlässiger kann der Test reagieren.
2. Vortests – unverzichtbar für verlässliche Ergebnisse
Bevor Du mit inhaltlichen Aussagen arbeitest, solltest Du immer prüfen, ob Dein System testfähig ist.
Neutralität prüfen
Komm innerlich in eine möglichst neutrale Haltung. Drücke nun mit den Beinen Deine locker hängenden Arme und Handflächen sanft zusammen und hebe die zusammengeführten Hände an.
Die Handflächen sollten nun gleichmäßig aufeinanderliegen.
Sind sie gegeneinander verschoben, spricht man von einem sogenannten Switching. In diesem Fall ist der Test noch nicht aussagekräftig. Häufig helfen hier:
- ein Glas Wasser trinken
- die sogenannte Hook-ups 1 Übung
- sanftes Klopfen an der Nasenwurzel mit zwei Fingern (rechts und links)
Falscher Name
Lass die Arme wieder locker hängen und sage laut oder innerlich einen falschen Namen, zum Beispiel:
„Ich heiße …“
Warte einen Moment ab und wiederhole den Bewegungsablauf.
Jetzt sollten die Handflächen verschoben aufeinanderliegen – ein Hinweis auf Belastung.
Richtiger Name
Wiederhole den Test mit Deinem echten Namen.
Die Handflächen sollten nun wieder gleichmäßig zusammenliegen. Erst wenn diese Vortests klar reagieren, ist Dein Testsystem zuverlässig.
3. Aussagen testen
Jetzt kannst Du mit inhaltlichen Aussagen arbeiten. Formuliere eine klare, einfache Aussage, zum Beispiel zu einem Thema, an dem Du gerade arbeitest. Warte einen kurzen Moment, bevor Du die Arme und Hände wieder zusammenführst.
- Handflächen gleichmäßig: keine Belastung
- Handflächen verschoben: Belastung vorhanden

Wichtig ist dabei: Der Test liefert Hinweise, keine endgültigen Wahrheiten. Er kann Dir helfen, Deine Aufmerksamkeit gezielter auszurichten.
Wichtige Hinweise für die Praxis
- Stelle zunächst keine Fragen, sondern formuliere ausschließlich Aussagen. (Um mit Fragen zu arbeiten solltest Du bereits sicher Aussagen testen und in den Ja-Nein-Modus „umschalten“ können.)
- Wähle Deine Aussagen bewusst und klar, damit Du das Ergebnis sinnvoll einordnen kannst.
- Beispiele:
- „Es gibt noch Aspekte, die ich berücksichtigen sollte.“
- „Innere Widerstände erschweren die Lösung.“
- „Der Widerstand lautet: Ich darf nicht.“
- Warte immer einen kurzen Moment, bevor Du den Test ausführst.
- Mit zunehmender Erfahrung werden die Reaktionen meist deutlicher.
- Du kannst Dein Unterbewusstsein innerlich darum bitten, Dir klarere Signale zu geben und den Test dann erneut durchführen.
- Beginne keine Kinesiologie-Sitzung ohne Vortests – sie sind die Grundlage für verlässliches Arbeiten.
Die Verbindung von EFT und kinesiologischem Selbsttesten kann Dich dabei unterstützen, strukturierter, bewusster und differenzierter mit inneren Themen umzugehen – immer im Sinne einer achtsamen Selbstwahrnehmung.
Diese und weitere vertiefende EFT-Kombinationen lernst Du im EFT Klopfakupressur Modul 4 – mit anschaulichen Demonstrationen, verständlichen Erklärungen und professionell begleitetem Üben.