
Nicht jeder Klient braucht zuerst Tiefe – manche brauchen zuerst Halt
Wenn ein Mensch insgesamt unsicher, erschöpft oder innerlich wenig gefestigt wirkt, ist es fachlich sinnvoll, nicht sofort belastende Erinnerungen zu aktivieren. In solchen Situationen steht Stabilisierung an erster Stelle.
Woran erkenne ich innere Instabilität?
Instabile Klienten zeigen häufig:
- rasche emotionale Überflutung
- starke Selbstzweifel
- fehlenden Zugang zu eigenen Ressourcen
- Schwierigkeiten, positive Erfahrungen zu erinnern
- geringe Selbstwirksamkeit
- gelegentliche oder häufigere Dekompensation (Kontrollverlust)
Hier wäre eine direktere Arbeit oft zu viel. Stattdessen geht es darum, das innere Fundament zu stärken.
1. Ressourcenarbeit statt Problemanalyse
Bevor wir schwierige Themen vertiefen, fragen wir:
- Was kann dieser Mensch bereits?
- Welche Krisen hat er schon bewältigt?
- Wo erlebt er sich als kompetent?
Bewährt haben sich einfache, aber wirkungsvolle Hausaufgaben:
- Eine Liste eigener Fähigkeiten schreiben
- Positive Lebenserfahrungen sammeln
- Erinnerungen an gelungene Situationen notieren
- Collagen oder Bilder gestalten, die Sicherheit symbolisieren
Besonders kraftvoll sind Fragen wie:
Wann in Deinem Leben fühltest Du Dich …
- im Einklang mit Dir selbst?
- sicher und geborgen?
- anerkannt und geliebt?
- kompetent und stolz?
- dankbar und zufrieden?
- „im Fluss“, so dass es einfach lief?
Diese Erinnerungen können mit sanfter Klopfakupressur begleitet werden. Ziel ist nicht Euphorie, sondern innere Stabilität.
Zur Stabilisierung eignet sich auch hervorragend die Trauma Tapping Technique (TTT), die ich in meiner Praxis fast immer als Einstiegs-Tool bei Traumatisierten verwende.
2. Ziele und stärkende Affirmationen
Im Aufbauseminar (Modul 2) spielt die Arbeit mit Zielen und Affirmationen eine wichtige Rolle .
Gerade bei instabilen Klienten geht es darum, positive Selbstbezüge systematisch aufzubauen:
- „Ich darf Schritt für Schritt stabiler werden.“
- „Ich entwickle mehr innere Sicherheit.“
- „Ich lerne, mir selbst zu vertrauen.“
Wichtig ist dabei: Nicht gegen innere Einwände kämpfen, sondern sie ernst nehmen und behutsam bearbeiten. So entsteht echte, tragfähige Veränderung – kein aufgesetztes positives Denken.
Die vertiefte Arbeit mit Zielen und Affirmationen ist Bestandteil des EFT Klopfakupressur Modul 2 – Aufbauseminar.
3. Entspannung als neurophysiologische Basis
Stabilisierung ist nicht nur psychologisch, sondern auch körperlich relevant. Ein überlastetes Nervensystem braucht Regulation. Hilfreich sind:
- Autogenes Training (AT)
- Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR)
- Regelmäßige Bewegung
- Geführte Meditationen
- Speziell ausgewählte Musik
- Bewusst geplante Zeiten der Selbstfürsorge
Solche Methoden unterstützen dabei, wieder in einen ruhigeren Zustand zu kommen. Erst wenn das Nervensystem nicht dauerhaft im Alarmmodus ist, wird tiefere therapeutische Arbeit sinnvoll.
4. Stabilisierung ist kein „Umweg“
Manche befürchten, Stabilisierung verzögere den eigentlichen Prozess. Das Gegenteil ist der Fall. Ein stabiles Fundament ermöglicht:
- bessere Selbstregulation
- mehr innere Distanz zu Belastungen
- höhere Veränderungsbereitschaft
- nachhaltigere Ergebnisse
Ohne ausreichende Stabilität besteht die Gefahr, dass Klienten sich überfordert fühlen oder Prozesse abbrechen. Gerade bei komplexen Belastungen gilt daher: Erst Stabilität, dann Tiefe!
Wenn Du mit Klienten arbeitest, die schnell überfordert wirken, lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und Ressourcen aufzubauen. Oft entsteht genau daraus die Kraft, später auch schwierige Themen sicher zu bearbeiten.
Diese und weitere differenzierte Stabilisierungs- und Interventionsansätze lernst Du im EFT Klopfakupressur Modul 3 – mit vielen Demonstrationen, klarer Struktur und sicher begleitetem Üben.