PEAT – ein energiepsychologischer Ansatz

Viele Menschen, die mit EFT (Emotional Freedom Techniques) vertraut sind, stoßen früher oder später auf den Begriff PEAT. Oft bleibt dann die Frage offen: Ist das nicht einfach eine Variante von EFT – oder steckt etwas anderes dahinter?

Kurz gesagt: PEAT gehört zwar zur gleichen Familie der Energiepsychologie, arbeitet aber nach einem deutlich anderen inneren Prinzip.

Was bedeutet PEAT?

PEAT steht für Primordial Energy Activation and Transcendence (Aktivierung der Urenergie und Transzendierung – mit Transzendierung ist im PEAT-Kontext das Überschreiten einer inneren Konfliktebene gemeint, sodass gegensätzliche innere Zustände gleichzeitig wahrgenommen werden können, ohne weiterhin Spannung zu erzeugen).

Entwickelt wurde dieser Ansatz von Zivorad Slavinski (ein serbischer Psychologe und Forscher im Bereich persönlicher Entwicklung und Bewusstseinsarbeit) in den späten 1990er-Jahren. PEAT entstand aus der Beobachtung, dass viele emotionale Belastungen weniger durch einzelne Gefühle entstehen, sondern durch innere Gegensätze, die gleichzeitig aktiv sind.

Ein typisches Beispiel:

  • Ich möchte vor anderen sprechen
  • Ich möchte mich am liebsten verstecken

PEAT setzt genau hier an – nicht indem die „Störung im Energiesystem“ durch Klopfen von Akupunkturpunkten ausgeglichen wird, sondern indem beide Pole bewusst gleichzeitig wahrgenommen werden. In beiden Fällen geht es um Integration und Entlastung.

Der zentrale Unterschied zu EFT

Wer EFT kennt, ist mit klaren Strukturen vertraut:

  • festgelegte Klopfpunkte,
  • verbale Einstimmungssätze,
  • wiederholte Runden.
EFTPEAT
Klare PunktabfolgeKein festes Punkteschema
Sprache spielt zentrale RolleWenig Sprache, mehr innere Wahrnehmung
Ziel: emotionale Entlastung + AusgleichZiel: Integration innerer Gegensätze
Klar strukturiertProzessoffen

PEAT fragt weniger „Wie stark ist das Gefühl?“ sondern eher „Welche zwei inneren Seiten stehen sich gerade gegenüber?“

Welche Rolle spielen Akupressur und Klopfakupressur?

Im Gegensatz zu EFT ist Akupressur in PEAT nicht zwingend vorgeschrieben, spielt aber in vielen Varianten eine unterstützende Rolle. Häufig werden:

  • einzelne Akupressurpunkte gehalten,
  • sanft geklopft,
  • oder Hände bewusst auf Körperbereiche gelegt (z. B. Brust, Bauch, Stirn).

Diese Berührung dient nicht als Behandlung, sondern als Körperfokus, der:

  • Aufmerksamkeit stabilisiert,
  • emotionale Wahrnehmung vertieft,
  • und den Integrationsprozess begleitet.

Gerade dieser Aspekt war auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, bei denen PEAT bewusst in Varianten mit und ohne Akupressur getestet wurde.

Grundidee von PEAT – vereinfacht erklärt

Im Mittelpunkt steht die Annahme, dass viele belastende Gefühle aus inneren Gegensätzen entstehen – zum Beispiel:

  • Wunsch nach Nähe ↔ Angst vor Verletzung
  • Erfolgswille ↔ Angst zu versagen
  • Sichtbar sein ↔ Bedürfnis nach Rückzug

PEAT versucht nicht, eine Seite zu bekämpfen, sondern beide Seiten gleichzeitig ins Bewusstsein zu bringen. PEAT geht davon aus, dass emotionale Belastung häufig dann nachlässt, wenn:

  • widersprüchliche innere Zustände nicht mehr getrennt,
  • sondern gemeinsam wahrgenommen werden.

Dieser Prozess wird als Integration beschrieben. Das bedeutet nicht, dass Probleme „verschwinden“, sondern dass sich das innere Erleben oft beruhigt, ordnet oder relativiert.

Wichtig: PEAT ist kein Gesprächsverfahren im klassischen Sinn, sondern arbeitet stark mit Aufmerksamkeit, Körperwahrnehmung und innerem Erleben.

Wie läuft eine typische PEAT-Arbeit ab?

Die klassische PEAT-Arbeit folgt einer klaren, wiederkehrenden Struktur. Je nach Schule oder Ausbildungsrichtung kann sie leicht variieren, die Grundelemente sind jedoch ähnlich. Es geht dabei nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern um bewusstes inneres Erleben.

1. Fokussierung auf ein aktuelles Thema

Zu Beginn wird ein konkretes inneres Thema gewählt, z. B.:

  • eine belastende Situation,
  • eine innere Blockade,
  • oder ein unangenehmes Gefühl.

Wichtig ist, dass das Thema im Moment spürbar ist – nicht rein gedanklich.

2. Wahrnehmung der emotionalen und körperlichen Reaktion

Die Person richtet ihre Aufmerksamkeit darauf:

  • Wo im Körper spüre ich das Thema?
  • Wie fühlt es sich an? (Druck, Enge, Ziehen, Unruhe usw.)

Es geht nicht um Analyse, sondern um direkte Wahrnehmung.

3. Herausarbeiten der inneren Gegensätze („Polaritäten“)

Ein zentrales Merkmal von PEAT ist das Arbeiten mit zwei inneren Polen, z. B.:

  • „Ich will sprechen“ ↔ „Ich will fliehen“
  • „Ich bin stark“ ↔ „Ich fühle mich klein“

Beide Seiten werden gleichwertig benannt, ohne Bewertung.

4. Gleichzeitige Aufmerksamkeit auf beide Pole

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit gleichzeitig auf beide Gegensätze – oft begleitet von:

  • ruhiger Atmung,
  • innerem Beobachten,
  • manchmal auch sanfter Körperberührung oder Akupressur (nicht zwingend, je nach Variante).

Dieser Schritt ist der Kern von PEAT.

5. Phase der Integration

Viele Menschen berichten in dieser Phase über:

  • innere Ruhe,
  • Klarheit,
  • ein Gefühl von „Stimmigkeit“,
  • oder veränderter Wahrnehmung des Themas.

Aus wissenschaftlicher Sicht wird dies vorsichtig als subjektive Veränderung des Erlebens beschrieben.

6. Nachspüren und Abschluss

Zum Abschluss wird überprüft:

  • Wie fühlt sich das Thema jetzt an?
  • Hat sich etwas verändert?

Es erfolgt keine Bewertung, kein Zielabgleich, kein „Erfolg messen“.

Warum ist PEAT wissenschaftlich schwer zu greifen?

PEAT ist stark abhängig von:

  • innerer Bereitschaft,
  • Qualität der Anleitung,
  • Kontext und Dauer.

Wird der Prozess – etwa in Studien – stark vereinfacht oder verkürzt, kann der eigentliche Kern nur eingeschränkt abgebildet werden. Das erklärt, warum Forschungsergebnisse zu PEAT oft differenziert interpretiert werden müssen.

Für wen kann PEAT interessant sein?

PEAT kann besonders für Menschen spannend sein,

  • die EFT bereits kennen,
  • die weniger „machen“ und mehr innerlich wahrnehmen möchten,
  • und die mit inneren Konflikten oder Ambivalenzen arbeiten wollen.

Wichtig ist dabei eine realistische Einordnung:

PEAT versteht sich als komplementärer Ansatz zur emotionalen Selbstregulation, nicht als Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

Kurz gesagt: Wenn EFT Dir geholfen hat, Emotionen zu beruhigen, kann PEAT eine interessante Ergänzung sein – nicht als Technik zum „Wegmachen“, was ja auch nicht der Sinn des EFT ist, sondern als Einladung zur inneren Integration.

Mehr über PEAT: https://www.peat-international.com

Wichtiger Hinweis: Die hier vorgestellte Methode der Energieüychologie (PEAT) versteht sich als komplementäre Maßnahme zur emotionalen Selbsthilfe. Sie ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starker oder anhaltender psychischer Belastung kann es sinnvoll sein, zusätzlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.